Die Zeiten ändern sich schnell

Dieser Artikel ist älter als 8 Jahre — im Internet eine sehr lange Zeit. Eventuell ist der Inhalt beziehungsweise sind die getroffenen Aussagen nicht mehr aktuell.

Den Fotobestand organisieren

Billige Speicherkarten im zweistelligen Gigabereich, schnelle Serienbildfunktionen und das kostenlose Knipsen trägt dafür Sorge, dass die Masse der Fotos, die sich heute innerhalb eines Jahres auf unseren Computern ansammelt, bei weitem die Zahl übersteigt, die unsere Eltern, Groß- und Urgroßeltern ihr lebenlang ansammelten. Das Problem ist nur, wie finde ich denn aus 10,000 Bildern noch genau das jenige Foto, das ich gerade jemand anderem zeigen möchte?

Die Massen bändigen oder „weg damit“

Zunächst einmal sollte man sich daran machen, Bilder kräftig auszusortieren. Unscharfe, verwackelte, falsch belichtete, mehrfach abgelichtete Fotos sollten radikal gelöscht werden (ich gebe zu, auch mir fällt das nicht leicht). Am besten man vergibt für die dann übrig gebliebenen Fotos eine Bewertung und löscht alles, was nicht in diese Bewertung reinfällt. Ein Bewertungsschema habe ich im Artikel Fotografien bewerten dargestellt. Wenn Sie gut im Aussortieren sind, sollten Sie über die Hälfte der Bilder gelöscht haben (etwas pauschal ausgedrückt).

Was will ich?

Die restlichen Fotos nun sind Ihre Bilder, die Sie aufheben und bei Gelegenheit wiederfinden wollen. Natürlich können Sie nun einige Bilder in Webalben exportieren, sich bei Fotolabors Abzüge bestellen oder eine Diashow erstellen und auf eine DVD brennen, so dass Sie diese Ihrer Familie oder Ihren Freunden am Fernseher zeigen können. Wie aber können Sie aus der Masse Ihrer Bilder nach einigen Jahren ein bestimmtes wiederfinden? Nehmen wir weiter an, Sie wissen nicht mehr in welchem Jahr und auch nicht mehr in welchem Urlaub oder gar Ort Sie es aufgenommen haben. Sie wissen nur noch, es war diese tolle Portraitaufnahme von der Frau / dem Mann vor der Kirche im Sonnenuntergang (diese Informationen können in den Schlüsselwörtern oder IPTC-Daten hinterlegt werden).

Ordnung schaffen

Fotobestand organisieren

Fotobestand organisieren


Aber fangen wir von vorne an: Die meisten legen Ihre Bilder in Ordnerstrukturen auf ihrer Festplatte ab. Man sollte sich hier nicht auf die Importprogramme der Kameras verlassen, da diese oftmals nur nach Jahr bzw. Monat und Tag die Bilder ablegen. Hier nach einigen Jahren ein bestimmtes Bild wiederzufinden, entspricht der Suche der Nadel im Heuhaufen. Zumindest sprechende Namen wie USA-Urlaub 2006 oder 70. Geburtstag Tante Erna sollte man vergeben. Gegebenenfalls sollte man auch nochmals Unterordner in Erwägung ziehen. Bei ersterem Beispiel könnte man zum Beispiel die Unterordner der Bundesstaaten, durch die man gefahren ist, anlegen (Montana, Oregon, etc). Was machen Sie aber, wenn ein Bild in mehrere Ordner thematisch passen würde?

Ein Beispiel: Ich fotografiere gerne meine Frau und habe auf meiner Festplatte einen Ordner mit ihrem Namen. Dort speichere ich alle Fotos von ihr, die ich so während des Jahres von ihr aufnehme. Wenn wir in Urlaub sind, schieße ich natürlich auch Fotos von ihr. Nun komme ich in die Zwickmühle. Soll das Foto in „ihren“ Ordner oder in den des Urlaubes? An diesem Scheideweg angelangt, begann ich mich nach Fotoverwaltungssoftware umzusehen. Welche Fotoverwaltungssoftware die richtige ist, möchte ich hier nicht diskutieren und dies vielleicht in einem weiteren Artikel erörtern (Ebenso unterscheide ich momentan an dieser Stelle nicht Programme, die unter „Software für den digital workflow“ firmieren.

Auswahl an Fotoverwaltungssoftware (alphabetische Reihenfolge)

Was kann eine Fotoverwaltung?

Eine Fotoverwaltung sollte zunächst einmal Ihre Fotos anzeigen können. Dabei sollte es möglichst viele Bildformate (JPG, GIF, TIFF, etc.) beherrschen. Wichtig ist auch, dass es RAW-Formate lesen und schreiben kann. Die Bilder werden normalerweise von der Fotoverwaltung in eine Datenbank gelesen. Es werden Vorschaubilder erstellt (Thumbnails), so dass innerhlab der Verwaltungssoftware zum einen die Bilder schneller geladen und dargestellt werden können, beziehungsweise auch angezeigt werden können, wenn sich die Originalbilder zum Beispiel auf externen Laufwerken oder CD/DVD befinden. Daher weisen alle Fotoverwaltungen eine Importfunktion auf.

Beim Import bieten eigentlich alle Programme an, zum einen Bilder von einer Festplatte (extern oder intern) zu importieren, dabei werden die Originaldateien dort belassen, wo sie bereits gespeichert sind. Die meisten Verwaltungsprogramme bieten weiterhin an, Fotos direkt von einer Kamera, einem Handy oder iPod/iPhone zu importieren. Hierbei kann man dann festlegen, wo die Fotos auf der Festplatte gespeichert werden und kann zusätzlich gleich Ordnername und Dateiname für die zu speichernden Bilder angeben. In der Datenbank werden in beiden Fällen normerweise nur Metadaten zu den Fotos gespeichert. Hierzu gehören natürlich der Speicherort und der Dateiname des Bildes sowie Speicherort und Dateiname des Vorschaubildes, wenn es nicht sogar komplett in der Datenbank gespeichert wird. Ebenso gehören EXIF und IPTC Angaben zu den gespeicherten Daten. Zusätzlich können dann weitere Angaben in Form von zum Beispiel Bewertungen, Farbkennzeichnungen etc. in der Datenbank erfasst werden. Alle gespeicherten Informationen werden dann zu den einzelnen Bilder angezeigt.

EXIF und IPTC Metadaten ermöglichen eine Optimierung der Organisation des Fotobestandes

Weiterhin bieten die Fotoverwaltungen eine Organisation der Fotos an. Hierzu gehört, dass Fotos in Alben, virtuellen Ordnern oder Projekten zusammengefasst werden können. Dabei sind dies Sammelorte rein virtuell und nur in der Datenbank vorhanden und beinhalten nur Verweise auf die Originaldateien. Dies bedeutet nun wiederum, dass man auch ein Bild in verschiedenen Alben einsortieren kann. Somit wäre das Problem von weiter oben (das Bild meiner Frau in zwei Ordnern) gelöst. Es ist egal in welchem Ordner auf der Festplatte ich es speichere, in der Fotoverwaltung werde ich es dann in beiden Alben hinterlegen. Besonders angenehm ist die Möglichkeit (der auch aus iTunes bekannten) intelligenten Alben oder Smartalben. Hier kann man auf Basis verschiedener Kriterien sich ständig aktualisierende Alben anlegen. Diese Kriterien können sehr unterschiedlich sein und auf einzelne EXIF– oder IPTC-Daten, die Bewertung oder Dateitypen zugreifen. In meinem Beispiel also, muss ich nur dafür Sorge tragen, dass alle Bilder meiner Frau ihren Namen in den Stichwörtern enthalten und lege dann ein Album mit dem Kriterium an, dass das Stichwort gleich ihrem Namen ist. Vorteil ist sogar, dass dieses Album ohne mein Zutun immer alle Fotos meiner Frau beinhaltet (vorausgesetzt, ich pflege die Stichwörter).

Auch wenn Fotoverwaltungssoftware keine klassischen Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop, GIMP oder ähnliches sind, so können Sie dennoch einge Anpassungen an den Fotos vornehmen. Hier beschränkt sich die Mehrheit nun auf die typischen Probleme von Hobbyfotografen: rote Augen, Belichtung und Ausschnittsvergrößerung. Die eher professionellen Programmen bieten dann noch die Entwicklung der RAW-Dateien an (funktioniert auch mit anderen Dateiformaten). Darin sind dann klassische Möglichkeiten eines Fotostudios gegeben: Weißabgleich, Histogramm, Farbanpassungen, etc. Wichtig dabei ist vor allem, dass alle Änderungen und Bearbeitungen nicht-destruktiv sind. Dies bedeutet, dass die Originaldateien nicht angefasst werden, sondern alle Änderungen und Anpassungen zunächst einmal nur in der Datenbank des Verwaltungsprogramms gespeichert werden und nur bei den Vorschaubildern angezeigt werden. Die Änderungen werden dann erst in die Bilder gerechnet, wenn diese gemailt, auf eine Webseite hochgeladen oder an einer anderen Stelle gespeichert werden — kurzum: exportiert werden. Dies hat den Vorteil, dass mein Originalbild immer erhalten bleibt und ich jederzeit alle Änderungen und Anpassungen verlustfrei rückgängig machen kann.

Schließlich bieten alle Programme Funktionalitäten für den Export an. Darunter wird allgemeinhin alles mögliche subsumiert, was einer Ausgabe oder Präsentation der Bilder entspricht. Dies kann zunächst einmal das Speichern einer neuen Kopie des Originalbildes sein. Dabei können dann auch EXIF– und IPTC-Daten in diesen Bildern mit den Daten aus der Fotoverwaltungsdatenbank ergänzt werden. Ebenso werden dann die Anpassungen und Bearbeitungen (s.o.) in die Bilder hineingerechnet. Meist kann auch das so neu erzeugte Foto direkt mit einem hinterlegten Emailprogramm versendet werden. Einige der Programme bieten auch einen direkten Upload auf die gängigen Online-Webalben (z.B. Picasa oder Flickr) oder anderen Social Communities (Facebook oder MySpace) an. Aber auch die Integration verschiedenster Online-Fotolabore zum Bestellen von Abzügen ist meist vorhanden (z.B. Pixum, Snapfish oder DM). Ebenso können einige der Fotoverwaltungen auch komplette Homepages (in HTML oder Flash) erzeugen. Die resultierenden Webseiten können dann mit einem FTP-Programm auf den eigenen Webspace geladen werden. Schließlich lässt sich heute kein Programm mehr ohne die Möglichkeit der Erstellung einer Slideshow (Diashow) finden. Diese Slideshows lassen sich nicht nur im Programm selbst abspielen, sondern entweder in die soeben genannten Homepages integrieren oder sogar auf CD/DVD brennen, um sie dann am Fernseher ansehen zu können.

Keine Bildbearbeitungssoftware

Über eins sollte man sich jedoch im Klaren sein: Ein Fotoverwaltungsprogramm ersetzt kein Bildbearbeitungsprogramm. Klassische Arbeiten, die in Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, Photoshop Elements, GIMP, PhotoImpact oder Paint Shop Pro X möglich sind, können normalerweise in der Verwaltungssoftware nicht vorgenommen werden. Zwar ist es in den professionelleren Programmen (Aperture, Lightroom) durchaus möglich die Fotos sehr umfangreich nachzubearbeiten, jedoch sind diese Funktionen meist auf die für einen Fotografen notwendigen beschränkt. Die Verwaltungsprogramme bieten jedoch meistens die Übergabe direkt an ein Bildbearbeitungsprogramm an. Das kann besser klappen wie bei Lightroom und Photoshop, es kann aber auch nur ein Export des Bildes sein, der dann von dem Bearbeitungsprogramm geöffnet wird, ohne jedoch, dass dann bearbeitete Bild auch so wieder zurück zu integrieren.

Zusammenfassung und Aussicht

Für mich als ambitionierter Fotograf wäre die Verwaltung und Bearbeitung meiner Fotos ohne eine entsprechende Fotosoftware heute nicht mehr denkbar. Für mich ist es wichtig, dass ich meine Bilder gut im Überblick behalte, dass ich sie flexibel ordnen kann, dass ich die für Fotos notwendigen Anpassungen machen kann (dabei verzichte ich gern auf eine komplette Bildbearbeitung), die Anpassungen jedoch nicht-destruktiv sind und schließlich ich verschiedene Möglichkeiten habe meine Fotos auch zu präsentieren, egal ob auf meiner Homepage, bei Picasa oder Flickr oder als Diashow an meinem Fernseher.

In weiteren Artikeln möchte ich gern die verschiedenen Programme, ihre Vorzüge und Nachteile, vorstellen und darüber diskutieren. Ebenso möchte ich gern die Möglichkeiten der IPTC-Daten aufzeigen und was man damit angfangen kann. Wer sich für den kompletten Workflow (von der Kamera bis zum entwickelten Bild) interessiert, kann meinen Artikel Workflow für Fotografie am Mac lesen.
Über eure Kommentare freue ich mich.

Marc Koschel

Über Marc Koschel

Fotograf • Musikhörer • Blogger • Denker • Kaffeetrinker
— Marc Koschel lebt bei Mannheim und bloggt seit 2001 über digitale Workflows

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6 Kommentare bisher

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Metadaten in Fotos | koschel.IT
8. Februar 2010 um 15:36

[…] meinem letzten Artikel Den Fotobestand organisieren habe ich beschrieben, welche Möglichkeiten Softwareprogramme zur Bildverwaltung bieten. Neben […]

2. Pingback

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IPTC-Daten | koschel.IT
15. Februar 2010 um 08:08

[…] Den Fotobestand organisieren […]

3. Kommentar

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Richard Tanzer
14. Juli 2011 um 14:27

Nachdem ich eigentlich seit Beginn der digitalen Fotografie (ich verwehrte mich dagegen ungewöhnlich lang) mit dem Thema der Verwaltung haderte, hat sich bei mir in den letzten Jahren Ruhe in dem Thema eingestellt. Auch diesen Bereicht von Mark Koschel habe ich anfänglich verfolgt. Nun bin ich an meinem Ziel angelangt und teile gerne meine Erfahrungen.

Ich verwende Adobe Lightroom 3 umd Bilder von der Kamera auf den Rechner zu bringen, Bilder auszusuchen, entwickeln und einer Beschlagwortung zuzuführen (falls notwendig).

Da ich in Bereichen der Fotografie tätig bin, wo ich fast immer meine Bilder möglichst schnell dem Kunden verfügbar machen muß, habe ich mich für eine online Bilddatenbank Software (Digital Asset Managment zu neudeutsch 😉 entschlossen. Meine Wahl fiel auf eyebase (www.eyebase.com). Der Preis aber auch die zahlreichen, auf mein Fotografenleben abgestimmten Funktionalitäten haben mich überzeugt.
Seit neuestem arbeitet Adobe LR3 mit einem Plugin auch direkt mit eyebase zusammen (ich bin Betatester).

Mein Fazit:
a) Ob Aperture oder LR, eine Datenbank am Rechner ist aus Performancegründen unerlässlich.
b) für das Verteilen von Bilddaten an Kunden, Stammkunden oder an ein unbestimmtes offenes Publikum (z.B. Eventfotografie mit Bilderverkauf) eignet sich eine online Lösung perfekt!
c) ich spare Zeit, wickel Aufträge schneller ab, erziele höhere Kundenzufriedenheit und Kundenbindung.

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Verschlagwortung von Fotos » Digital Workflows
21. März 2012 um 12:30

[…] Den Fotobestand organisieren (zurück zum Text) […]

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IPTC-Daten » Digital Workflows » Digital Workflows
22. September 2016 um 08:04

[…] Den Fotobestand organisieren […]

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Nachbearbeitung von Fotos » Digital Workflows » Digital Workflows
22. September 2016 um 08:07

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