Die Zeiten ändern sich schnell

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Nachbearbeitung von Fotos

Die Nachbearbeitung von Fotos – In der analogen Fotografie war es selbst verständlich, dass nach dem Fotografieren zunächst der Film bzw. die Bilder entwickelt werden mussten. Bei der Digitalfotografie gehen viele davon aus, dass die Bilder sofort nach dem Fotografieren entwickelt zur Verfügung stehen. Dies stimmt nur bedingt. Auch wenn die Digitalkameras eine Entwicklung (im JPEG-Format) bereits in der Kamera vornehmen, so fotografieren ambitionierte Fotografen im RAW-Format und entwickeln ihre Bilder zunächst in einer entsprechenden Fotosoftware..

Welche Software sollte ich verwenden?

Ich habe bereits in anderen Artikeln darüber berichtet, dass zur Verwaltung und Organisation der eigenen Fotos entsprechende Softwarelösungen vorhanden sind.[Fussnote 1] Neben den reinen Bildbetrachtungsprogrammen oder Programmen zur Bildbearbeitung, haben sich in den letzten Jahren einige Programme hervorgetan, die speziell den Workflow von Fotografen im Fokus haben. Die beiden bekanntesten Programme dürften Aperture von Apple und Photoshop Lightroom von Adobe sein. Diese Programme bieten neben der Verwaltung und Organisation der Fotos auch Bildbearbeitung speziell für Fotografien an. Selbstverständlich lassen sich diese Anpassungen auch mit herkömmlichen Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop bewerkstelligen. In Lightroom, Aperture und anderen, ist die Funktionalität jedoch direkt für den Fotografen abgestimmt. Ich beschränke mich in der Beschreibung der Korrekturmöglichkeiten auf diese beiden Programme, dies heißt aber nicht, dass andere Softwareprogramme diese Korrekturen nicht ermöglichen.

Wenn Sie jedoch eine gewissen Anspruch an die Qualität der Bearbeitungs- und Verbesserungsmöglichkeiten haben, sollten Sie darauf achten, dass sie nicht nur allgemeine Korrekturmöglichkeiten vorfinden. In den kostenlosen oder günstigeren Programmen, wie zum Beispiel Picasa oder iPhoto finden Sie meistens nur rudimentäre Anpassungsmöglichkeiten, wobei Sie aus vorgegebenen Optionen auswählen können. Die Programme mit professionellem Anspruch bieten hier auf jeden Fall eine detaillierte und umfängliche Einstellmöglichkeit.

Voraussetzung für Bildverbesserungen ist aus meiner Sicht die Verwendung der Rohdaten der Kameras (RAW, NEF, CR2, DNG). Selbstverständliche lassen sich auch JPEG Dateien korrigieren, allerdings nimmt man durch die Datenkomprimierung bei jedem Speichern der Datei auch immer einen Qualitätsverlust in Kauf.[Fussnote 2] Den meisten besseren Kameras liegt ein Programm zum Konvertieren des RAW-Formats bei. Diese sind häufig proprietär auf die entsprechende Kamera abgestimmt. Inzwischen können jedoch die meisten Bildbearbeitungsprogramme mit RAW-Daten umgehen.[Fussnote 3]

Ich selbst empfehle Adobe Photoshop Lightroom (Win/Mac) oder Apple Aperture (Mac), da ich aktuell meinen Workflow zur Verarbeitung meiner Fotos mit Lightroom 3 umsetze. Ich habe jedoch auch jahrelang mit Aperture 3 gearbeitet. Warum ich nun auf Lightroom gewechselt habe sind subjektive Gründe, die ich an dieser Stelle außen vor lassen möchte.

Was sollte korrigiert werden?

Natürlich kann keiner vorhersehen, was an einem einzelnen Bild zu korrigieren ist. Erfahrungsgemäß lassen sich aber dennoch die häufigsten Korrekturen nennen. Die folgende Liste stellt nicht die chronologische Bearbeitung eines Fotos in der Software dar:

  • Weißabgleich
  • Belichtungs-/Tonwertkorrekturen
  • Schärfen
  • Perspektivische Fehler
  • Rote-Augen-Korrektur
  • Freistellen und Begradigen
  • Chromatische Aberration
  • Rauschreduzierung
  • Bereichskorrekturen
  • Effekte
  • Sonstige

Weißabgleich

Jede Lichtquelle, wie zum Beispiel die Sonne, Leuchtstofflampen oder Kerzen, hat eine unterschiedliche Wellenlänge, die in Farbtemperaturbereiche mit der Einheit Kelvin eingeteilt wird. Da die Bildsensoren von Digitalkameras die Temperaturbereiche in unterschiedlichen Farben wiedergeben, ist die Farbe Weiß jedes Mal anders definiert. Dies führt zu Farbstichen in den Fotos.

Weißabgleich mit Aperture 3

Weißabgleich mit Aperture 3

Man spricht zwar vom Weißabgleich, obwohl korrekterweise der Vergleich zu einem neutralen Grau bemessen wird; es müsste daher korrekterweise „Grauabgleich“ heißen. Die Kamera benötigt also die Information, welche Farbtemperatur als neutral (grau) anzusehen ist. Diese Farbtemperatur wird durch den Weißabgleich bestimmt. Es muss folglich die Kamera auf die Farbtemperatur des Lichtes am Aufnahmeort sensibilisiert werden. Hierzu kann man die Kamera entsprechend einrichten oder man korrigiert den Weißabgleich später per Software.[Fussnote 4]

Weißabgleich mit Lightroom 3

Weißabgleich mit Lightroom 3

Lightroom und Aperture bieten beide eine Pipette zur Korrektur. Klickt man diese an, ändert sich der Mauszeiger in ein Pipetensymbol. Mit diesem wählt man dann auf dem zu betrachtenden Foto eine weiße bzw. neutralgraue Stelle aus. Um diese besser definieren zu können, bieten beide Programme eine Lupe an, die jeweils den Bereich anzeigt, den man mit der Pipette überfährt. Neben der Pipette stellen beide Programme auch die aus den Kameras bekannten Vorgaben zur Verfügung (Tageslicht, Sonne, Wolken, Blitz, Kunstlicht, etc.). Für eine noch individuellere Einstellung ist in beiden Programmen die Möglichkeit gegeben über einen Schieberegler die Farbtempertatur (Aperture: Bezeichnung Temp im Bereich 2500-10000K / Lightroom: Bezeichnung Temp im Bereich 2000-50000K) genau einzustellen. Um Farbstichen entgegenzuwirken und bei gewünschten Effekten zu verstärken sind in beiden Programmen ein zusätzlicher Schieberegler vorhanden, der eine Verschiebung der Farbe entweder in Richtung Grün oder Magenta zulässt (Aperture: Bezeichnung Färbung / Lightroom: Bezeichnung Tönung).

Die soeben beschriebenen Funktionen lassen sich in dieser Form nur bei RAW-Daten anwenden. Dies liegt daran, dass JPG-, TIFF- oder auch Photoshop Dateien keine Informationen über die Originalfarbtemperatur des Fotos besitzen, womit der oben beschriebene Weißabgleich nicht funktionieren kann. In Aperture merken Sie davon auf der Oberfläche leider nichts. Lightroom trägt diesem Umstand jedoch bei, indem es den Schieberegler für die Temperatur anpasst und keine Temperaturangaben mehr zeigt, sondern nur ermöglicht, das Bild wärmer oder kälter erscheinen zu lassen (Schieberegler Temp mit Skala von -100 bis +100).

Belichtungs-/Tonwertkorrekturen

Neben dem Weißabgleich dürften die Korrekturen der Belichtung die am häufigsten und damit wichtigsten Korrekturen sein. Bei Aperture heißt der Bereich Belichtung [Fussnote 5] mit den Schiebereglern Belichtung, Wiederherstellung, Schwarzpunkt und Helligkeit. In Lightroom wird der Bereich Tonwert genannt und beinhaltet die zu Aperture korrespondierenden Regler Belichtung, Wiederherstellung, Aufhelllicht und Schwarz und die zusätzlichen Schieber Helligkeit und Kontrast. Beide Programme bieten auch eine automatische Belichtungskorrektur.

Belichtung

Änderungen, die mit dem Schieberegler Belichtung durchgeführt werden, sind für Korrekturen an der globalen Belichtung eines Fotos gedacht. Dabei werden vor allem heller Bereiche eines Bildes beinflusst. Die Veränderung der Belichtung entsprechen in etwa einer Anpassung der Blende oder Verschlusszeit an der Kamera. Zum Aufhellen einzelner dunkler Bereiche ist dieser Regler nicht gedacht. Überfordert ist die Belichtungskorrektur bei stark überbelichteten Fotos mit sehr hellen und dunklen Bereichen. Der Schieberegler Wiederherstellen ist an dieser Stelle vorzuziehen.

Tonwertkorrektur in Lightroom

Tonwertkorrektur in Lightroom

Wiederherstellen

Mit dem Regler Wiederherstellen lassen sich Strukturen in den Spitzlichtern überbelichteter Fotos wieder darstellen. Dabei werden die mittleren Helligkeitswerte nicht beinflusst. Extreme Überbelichtungen lassen sich jedoch nicht korrigieren. Als Faustregel gilt, dass nur Korrekturen möglich sind, die auch mit einer korrekten Belichtung der Kamera möglich gewesen wäre. Das heißt, dass eine Korrektur der Details nicht möglich ist, wenn die Überbelichtung mehrere Blendenstufen umfasst oder alle drei Farbkanäle betrifft.

Tonwertkorrektur in Aperture

Tonwertkorrektur in Aperture

Aufhelllicht/Helligkeit

In Lightroom heißt der Regler Aufhelllicht in Aperture hingegen Helligkeit. Dieser Regler ist das Pendant zum Schieber Wiederherstellen und betrifft Korrekturen in den dunklen Bereichen eines Fotos. Dies bedeutet, dass der Schieberegler dunkle Bereiche aufhellt und Detailzeichnungen in diesen erhöht. Fotos mit einem hohen Dynamikumfang (sehr helle und sehr dunkle Bereiche in einem Bild), wie zum Beispiel Gegenlichtaufnahmen können hiervon profitieren, da sich die dunklen Bereiche in einem solchen Foto sehr gut aufhellen lassen. Leider hat diese Korrektur aber auch einen Nebeneffekt: In den unterbelichteten Bereichen wird das Bildrauschen verstärkt.

Aperture: über-/unterbelichtete Bereiche

Aperture: über-/unterbelichtete Bereiche

Schwarz(punkt)

Der vierte Schieberegler wird in Lightroom Scharz und in Aperture Schwarzpunkt genannt. Die Einstellung dieses Reglers legt fest, welche Farbwerte im Bild als schwarz zu bewerten sind. Wird der Wert im Regler erhöht, werden Farbwerte, die nur nahezu schwarz sind vollends schwarz, Farbwerte, die bisher nicht schwarz waren, werden dunkler. Es lässt sich somit mehr Kontrast in den Fotos erzeugen.

Helligkeit (Lightroom)

Im Gegensatz zum Regler Belichtung, bei dem vorwiegend die hellen Bereiche angepasst wurden, betrifft eine Korrektur des Schiebereglers Helligkeit hauptsächlich die mittleren Helligkeitstöne sowie die dunkleren. Dies verursacht auch, dass in den helleren Bereichen der Kontrast verloren geht. Meist erhält man eine optimale Anpassung aus einer Kombination der beiden Regler.

Kontrast (Lightroom)

Kontrast wird erzeugt, indem dunklere Bereiche weiter abgedunkelt werden und Lichter weiter aufgehellt werden. Dies würde jedoch auch zu einem Detailverlust in genau diesen Bereichen führen, so dass ihre Wirkung sich vornehmlich auf die Mitten auswirkt.

LR: über-/unterbelichtete Bereiche

LR: über-/unterbelichtete Bereiche

Glanzlichter & Schatten (Aperture)

Die beiden zusätzlichen Schieberegler von Lightroom im Bereich Tonwertkorrektur sind in Aperture in einem eigenen Bereich untergebracht mit der Bezeichnung Glanzlichter & Schatten. Genauso heißen auch die beiden Regler selbst: Glanzlichter und Schatten und verhalten sich ähnlich wie die Regler Helligkeit und Kontrast in Lightroom.

Unter- und überbelichtete Bereiche hervorheben

Beide Softwarelösungen bieten die Möglichkeit über- und unterbelichtete Bereiche anzuzeigen. In Aperture erfolgt es über das Menü Darstellung > Über- und unterbelichtete Bereiche hervorheben oder mit der Kombination der Schaltflächen Wahl + Shift + H. In Lightroom hingegen lässt es sich über das Histogramm einblenden. Im Histogramm finden Sie links oben (Überbelichtung) und rechts oben (Unterbelichtung) jeweils ein Dreieck. Wenn Sie dieses mit der Maus überfahren, werden temporär die entsprechenden über-/unterbelichteten Bereiche angezeigt. Klicken Sie hingegen auf die Dreiecke, so werden die über-/unterbelichteten Bereiche dauerhaft angezeigt. Ebenso kann man einfach die Taste J Zu erkennen ist dies, das die Dreiecke eine weiße Umrandung erhalten. Klicken Sie erneut darauf, werden die über-/unterbelichteten Bereiche wieder ausgeblendet.

LR: über-/unterbelichtete Bereiche einblenden

LR: über-/unterbelichtete Bereiche einblenden

Schärfen

Das Scharfzeichnen von Fotos läuft unter Aperture 3 in zwei getrennten Bereichen: Zum einen im Bereich Scharfzeichnen zum anderen im Bereich Kanten scharfzeichnen. Wobei ersterer eher für Architektur und letztere eher für Portraits verwendet werden sollte. In Lightroom hingegen wird beides unter der Bezeichnung, Schärfen im Block Details subsumiert. Lightroom fasst unter dem Bereich Details auch noch die Rauschreduzierung. Diese gibt es in Aperture ebenso als eigenen Bereich Störungen reduzieren. Die Rauschreduzierung betrachte ich später seperat.

Das Scharfzeichnen eines Fotos wird grob gesagt dadurch erreicht, dass der Kontrast zwischen gegenüberliegenden Bildpunkten (Pixeln) erhöht wird. Nun darf natürlich beim Schärfen eines Bildes nicht einfach der Kontrast zwischen allen Bildpunkten verstärkt werden, vielmehr muss eine Festlegung, ab welchem Kontrastunterschied eine Verstärkung stattfinden soll, Berücksichtigung finden. In Aperture 3 finden sich zwei Schieberegler Intensität und Radius (Bereich Scharfzeichnen). Dabei gibt Intensität die Stärke des Schärfeneffekts an und Radius in welchem Umkreis um einen Bildpunkt der Kontrast verschärft werden soll. Hierbei muss man Vorsicht walten lassen, da das Schärfen Motivabhängig ist: Fotos mit vielen Details benötigen einen kleineren Radius, da sonst Details verloren gehen können. Das Schärfen benötigt Fingerspitzengefühl und einige Übung (dies gilt natürlich auch für alle anderen Korrekturmölglichkeiten). Im Bereich Kanten scharfzeichen verwendet Aperture 3 die Regler Intensität, Kanten, Nachlassen. Wenn der Bereich Scharfzeichnen auf das gesamte Bild auswirkt, dann kann man mit dem Bereich Kanten scharfzeichnen dezente Effekte auftragen. Dies ist eben vor allem für Portraits hilfreich. Der Regler Intensität steuert wieder die Stärke des Effekts, Kanten bestimmt wie stark der Kontrast sein muss, damit es als Kante erkannt wird und Nachlassen kontrolliert die Übergänge des Effekts zwischen den Bereichen, die scharfgezeichent oder normal sind

Lightroom 3 fasst beide Bereiche aus Aperture in einem Bereich zusammen, spendiert dem Bereich jedoch vier Schieberegler. Der Regler zum Festlegen der Stärke des Effekts heißt in Lightroom Betrag. Radius hat die selbe Funktionalität wie in Aperture. Die beiden anderen Regler heißen Details und Maskieren. Alle vier Regler greifen ineinander, d.h. die Kombination aus allen vier Reglern ist ausschlaggebend für eine richtige Schärfung des Fotos. Betrag und Radius funktionieren analog zu den bereits beschriebenen Reglern in Aperture. Dabei definieren diese beiden Regler den Effekt an sich. Details und Maskieren dienen eher der Erkennung: Details berücksichtigt bei einem gering eingestellten Wert weniger Details, d.h. der Kontrast wird zwar an Kanten verstärkt aber ein gering eingestellter Wert trägt dafür Sorge, dass in Flächen weniger Strukturen Berücksichtigung finden. Oder umgekehrt: Bei einem höher eingestellten Wert, werden auch feinere Strukturen berücksichtigt und kontrastiert.

Im Gegensatz zu Details, welches den Abstand zwischen zwei Bildpunkten festlegt, die Berücksichtigung finden soll, gibt die Einstellung Maskieren an, wie hoch der Kontrast zwischen zwei Bildpunkten, also der Helligkeitsunterschied, sein muss, damit diese vom Schärfen überhaupt erfasst werden. Damit entsprechen diese beiden Reglern eher den Reglern aus Kanten scharfzeichnen in Aperture.

Beide Programme ermöglichen auch beim Export der Fotos je nach Ausgabeart nochmals zusätzlich eine entsprechende Schärfung auf die zu exportierenden Fotos anzuwenden.

Perspektivische Fehler

Perspektivische Fehler können aus unterschiedlichen Gründen auftreten. Perspektivische Fehler werden in Lightroom im Bereich Objektivkorrekturen in verschiedenen Unterbereichen behandelt. Aperture 3 bietet direkt verschiedene Bereiche an.
Zunächst sollte man wissen, wie perspektivische Fehler zustande kommen. Entweder sind es bauartbedingte Eigenheiten der verwendeten Objektive oder sie entstehen durch einen ungüstigen Standpunkt des Fotografen.

Verzerrungen

Kissen- und Tonnenverzerrung

Kissen- und Tonnenverzerrung


Weitwinkelobjektive neigen aufgrund der stark konvexen Linsen zu Tonnenverzerrungen, wohingegen Teleobjektive eher zu Kissenverzerrungen neigen. Diesen beiden Problemen lässt sich in Lightroom im Bereich Transformieren mit dem Schieberegler Verzerrung entgegentreten. Positive Werte gleichen Tonnenverzerrungen aus, negative Werte eine Kissenverzerrung.

Die vertikale Verzerrung oder auch „stürzende Linien“ genannt beruht darauf, dass die Kamera nicht parallel zum Motiv gehalten wird. Sie tritt meist bei hohen Gebäuden auf, wenn der Fotograf die Kamera nach obenhin anwinkelt und somit der Sensor unten und oben einen unterschiedlichen Abstand zum Motiv hat. Hier sorgt in Lightroom 3 der Regler Vertikal für Abhilfe. Ebenso kann bei langen Motiven eine Abweichung von Links nach Rechts, also eine horizontale Verzerrung entstehen, die mit Hilfe des Reglers Horizontal ausgeglichen werden kann.

Mit dem Regler Drehen lassen sich in Lightroom Verdrehungen der Kamera korrigieren. Verdrehungen lassen sich dadurch erkennen, dass zum Beispiel nach einer Korrektur „stürzender Linien“ die senkrechten Linien auf der einen Seite wieder senkrecht sind, auf der anderen aber nicht. Dies kommt durch eine zusätzliche Verdrehung der Kamera zustande.

Die Korrekturen der Verzerrungen werden dadurch in Lightroom bewerkstelligt, dass das Foto um die jeweilige Mittelachse virtuel gedreht wird. Dabei können dann Bildbereiche oben oder an den Seiten aus dem Foto herausragen. Der Regler Skalieren zoomt das Foto nun derart, dass die Bildbereiche wieder in den virtuellen Rahmen passen. Dies ist gleichbedeutend damit, dass sich die Bilddimensionen ändern.

Rote-Augen-Korrektur

Die Korrektur der roten Augen dürfte wohl die bekannteste sein. Das liegt sicherlich daran, dass dieses Problem vorwiegend bei Kompaktkameras auftritt, da der Abstand zwischen Blitz und Objektiv recht gering ist. Das Licht trifft daher in einem sehr spitzen Winkel auf das Auge und wird von der Netzhaut reflektiert. Es kommt also auf das Verhältnis des Abstands (Blitz zu Objektiv), des Winkels und der Pupillengröße an. Die Methode der meisten Kameras durch mehrmaliges Vorblitzen die Pupille zu verkleinern ist dabei nur eine unzulängliche Maßnahme.

Aperture und Lightroom haben beide Korrekturmöglichkeiten für rote Augen. Dabei wird mit Bereichswerkzeugen ein Kreis um die betreffenden Stellen gezogen und die Programme erkennen die roten Pixel und Entsättigen diese. Es lassen sich bei beiden Softwarelösungen die Größe und die Sättigung über entsprechede Schieberegler anpassen.

Freistellen und Begradigen

Ebenso gehören zum Standard einer jeden Fotobearbeitungssoftware die möglichkeit Bereiche in den Fotos freizustellen und zu begradigen. In Aperture 3 gibt es den Bereich Beschneiden. Nach dem Festlegen eines Seitenverhältnisses (das Seitenverhältnis des gesamten Fotos ist voreingestellt) kann mit der Maus einen Rahmen, der das gewählte Seitenverhältnis berücksichtig direkt mit der Maus aufziehen und mit Enter bestättigen. Ebenso lässt sich im Bereich Begradigen per Schiebregler Winkel oder direkt mit der Maus das Bild rotieren.

In Lightroom 3 kann aus der Werkzeugleiste Freistellungsüberlagerung ausgewählt werden. Hier lässt sich auch entweder per Schieberegler (Winkel) oder per Maus das Foto rotieren und definierte Bereiche freistellen. Lightroom bietet gleich mehrere Möglichkeiten mit der Maus eine Rotation vorzunehmen. Zum einen lässt es sich ähnlich wie in Aperture mit der Maus durch eine Bewegung nach oben/unten an einer bestimmten Linie ausrichten. Zusätzlich gibt es das Werkzeug Gerade-Ausrichten. Damit zieht man im Foto eine Linie entlang einer abgebildeten Geraden (z.B. der Horizont). Lightroom richtet dann das gesamte Foto anhand dieser Linie horizontal aus.

Fußnoten

  1. Artikel Den Fotobestand organisieren oder Artikel Workflow für Fotografen am Mac [zurück zum Text]
  2. Im Artikel Rohdaten – Welche Vorteile bietet das RAW-Format? erläutere ich, warum es für anspruchsvolle Fotos keine Alternative zum Rohdatenformat gibt. [zurück zum Text]
  3. Ein Artikel über vorhandene Programme, die den Fotografen unterstützen ist in Vorbereitung. [zurück zum Text]
  4. Weitere Informationen zum Weißabgleich im Artikel Was heißt Weißabgleich? [zurück zum Text]
  5. In Aperture gibt es auch einen eigenen Bereich „Tonwerte“. Dieser dient jedoch dazu die Helligkeits- , Mitten- oder Dunkelwerte anhand einer Gradiationskurve einzustellen und zwar für den gesamten Bereich (RGB) oder für die einzelnen Farbkanäle (Rot, Grün, Blau). [zurück zum Text]
Marc Koschel

Über Marc Koschel

Fotograf • Musikhörer • Blogger • Denker • Kaffeetrinker
— Marc Koschel lebt bei Mannheim und bloggt seit 2001 über digitale Workflows

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