Die Zeiten ändern sich schnell

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Rohdaten – Welche Vorteile bietet das RAW-Format?

„RAW? Ob Sie Rohdaten verwenden sollen? Ja! Punkt. Aus. Schluss. Keine Diskussion! Warum? Wenn Sie das noch fragen, sollten Sie lieber mit dem Fotografieren aufhören“ Dies war die erste Antwort, die ich von einem Fotografen erhalten habe, als ich fragte, ob ich meine Fotos im Rohdaten-Format oder lieber in JPEG aufnehmen soll. Die Antwort hat mir nur nicht viel geholfen, denn ich wollte das „Warum“ wissen. Inzwischen weiß ich warum und habe seit Jahren keine JPEG-Bilder mehr aufgenommen. Lassen Sie mich kurz erklären.

Die Entstehung eines digitalen Fotos

Die Kamera nimmt durch ein Objektiv das vom Motiv reflektierte Licht auf. Die Lichtmenge wird durch den Verschluss der Kamera und die Objektivblende gesteuert. Ein Abbild des Motivs wird nun durch das einfallende Licht in der Kamera projiziert und zwar auf den Sensor der Digitalkamera. Dies sind die RAW-Daten.[1]

Bayer Pattern

Bayer Pattern

Der Sensor wandelt dabei das Licht in elektrische Impulse um. Jeder Sensorpunkt (=Pixel) speichert dabei die Lichtintensität, die auf ihn trifft. Das heißt, jeder Sensorpunkt speichert nur Helligkeitsabstufungen. An der Stelle, an der also viel Licht auf einen Sensorpunkt trifft, entstehen helle Bildpixel, entsprechend dunkle Bildpunkte an der Stelle, an der wenig Licht auftrifft. Der Sensor bzw. die Sensorpunkte können also keine Farbinformationen speichern, da sie nur Helligkeitsabstufungen erfassen können. Es entsteht ein Schwarz-Weiß Bild. Damit die Kamera ein Farbbild erzeugen kann, muss eine Umwandlung (Entwicklung) der Helligkeitsinformationen in Farbwerte erfolgen. Dazu gibt es mehrere mögliche Algorithmen. Der bekannteste und am weitesten verbreitete ist der sogenannte Bayer-Filter oder auch Bayer-Pattern.[3]

Definition Rohdaten (RAW)

Das Rohdaten-Format ist ein mögliches Speicherformat, mit dem Digitalkameras die oben beschriebenen Informationen zu einem digitalen Bild auf ein Speichermedium schreiben. Leider gibt es kein einheitliches Rohdaten-Format, sondern jeder Kamerahersteller verwendet sein eigenes Format. Alle Kamerahersteller bieten jedoch neben ihren proprietären Rohdatenformaten auch immer die Möglichkeit das Foto als JPEG (ausschließlich oder zusätzlich zum Rohdaten-Format), manchmal auch als TIFF, zu speichern.

Als Rohdatenformat (RAW oder Raw) (engl. raw „roh“) bezeichnet man eine Familie von Dateiformaten bei Digitalkameras und digitalen Kinokameras, bei denen die Kamera die Daten nach der Digitalisierung weitgehend ohne Bearbeitung auf das Speichermedium schreibt. Diese Rohdaten werden auch als „digitales Negativ“ bezeichnet, da sie für die Weiterverarbeitung bestimmt sind und noch nicht das eigentliche Endprodukt darstellen.Seite „Rohdatenformat (Fotografie)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 7. März 2012, 14:19 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rohdatenformat_(Fotografie)&oldid=100587210
(Abgerufen: 18. März 2012, 13:19 UTC)

Kein standardisiertes Rohdaten-Format

Das Rohdaten-Format unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller und ist damit proprietär. Zu den bekannten Rohdaten-Formaten zählen:

  • .tif, .crw, .cr2 (Canon)
  • .raw (Contax)
  • .erf (Epson)
  • .raf (Fujifilm)
  • .3fr, .fff (Hasselblad)
  • .dcr, .dcs, .kdc (für EasyShare P850, Z990), .raw (Kodak)
  • .raw, .dng, .rwl (Leica Camera)
  • .mef, .mfw, .iiq (Mamiya)
  • .mrw, .mdc (Minolta Raw)
  • .nef, .nrw (Nikon)
  • .orf (Olympus)
  • .raw, .rw2 (Panasonic)
  • .pef, .dng (Pentax)
  • .dng (Ricoh)
  • .x3f (Sigma)
  • .srf, .sr2, .arw (für Sony-DSLR/DSLT/NEX-?-Kameras) (Sony)

Eine Rohdaten-Format wurde hier unterschlagen, obwohl es bei einzelnen Herstellern bereits aufgeführt ist:

  • .dng (Adobe Systems Digital Negative)

Die Firma Adobe versucht das DNG-Format ähnlich dem PDF-Format bei Dokumenten als Standard zu etablieren. Doch wie in der Liste oben zu sehen, hat es sich bei den Herstellern noch nicht durchgesetzt.

Nachteile des JPEG-Formats

Ein Fotos entsteht also, indem Licht durch ein Objektiv mit einem definierten Durchmesser (Blende) für eine bestimmte Zeit (Belichtung) auf einen digitalen Sensor fällt. Durch die Speicherung dieser Informationen entsteht letztendlich das Foto. Nun kommt es eben darauf an, welches Format für die Speicherung verwendet wird. Die digitalen Kameras für den Konsumerbereich verwenden generell ausschließlich das JPEG-Format, erst höherpreisige Digitalkameras oder DSLR-Kameras bieten die Option die Informationen, also das Foto, im sogenannten Rohdaten-Format abzuspeichern.

JEPG ist immer mit einem Qualitätsverlust behaftet

JPEG kann einen Dynamikumfang[2] von maximal 8 Bit abbilden. Das heißt, dass pro Farbkanal (Rot, Grün, Blau) maximal 256 Helligkeitsabstufungen gespeichert werden können. Rohdaten-Formate können hingegen 10, 12 oder gar 14 Bit an Helligkeitsinformationen speichern, das sind 1.024 bis 16.384 Helligkeitsabstufungen. Ebenso muss bei der Speicherung des Fotos im JPEG-Format aufgrund des verwendeten Bayerfilters[3] die Daten erst interpoliert[4] werden, um überhaupt Farbinformationen im JPEG speichern zu können.

Aufgrund der Charakteristik des üblicherweise eingesetzten Bayer-Sensors, bei dem vor jedem Bildpunkt ein Filter für eine der drei Grundfarben liegt, ist erst eine aufwendige Interpolation (sogenanntes Demosaicing) notwendig, um bei voller Auflösung die resultierenden Farben zu errechnen.Seite „Rohdatenformat (Fotografie)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 7. März 2012, 14:19 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rohdatenformat_(Fotografie)&oldid=100587210
(Abgerufen: 18. März 2012, 13:19 UTC)

Die Kamera muss also komplexe Algorithmen anwenden, um das Foto zu „entwickeln“. Dabei müssen Informationen zu Weißabgleich, Farbsättigung bzw. angewandter Farbfilter, Farbraum, Kontrast, Schärfe, Rauschunterdrückung, gewählte Sensorauflösung und JPEG-Kompressionsrate von der Kamera umgesetzt werden. Eine nachträgliche Korrektur mit entsprechenden Softwareprogrammen ist zwar möglich, jedoch ist der Korrektur Grenzen gesetzt und geht immer mit einem Qualitäts- und Detailverlust einher. Die Interpolation des Bayer-Filters lässt sich nachträglich nicht mehr ändern.

Die Interpolation führt häufig auch zu Problemen an den Rändern des Fotos und führtdazu , dass einige Hersteller die Fotos im JPEG-Format beschneiden und damit verkleinern.

Vorteile des Rohdaten-Formats (RAW)

Bei Verwendung des Rohdaten-Formats wird von der Kamera lediglich Blende, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit als Bildparameter zusätzlich gespeichert. Alle anderen Informationen (Weißabgleich, Farbsättigung, Farbraum, Kontrast, Schärfe, Rauschunterdrückung, etc.) sowie den Interpolations-Algorithmus kann dann erst am Computer mit Hilfe eines RAW-Konverters entwickelt werden. Dabei bieten die meisten Softwareprogramme eine automatische Entwicklung an, die der Speicherung als JPEG der entsprechenden Kamera entspricht. Dies erhöht die Flexibilität bei Bedarf schnell ohne manuelle Nachbearbeitung ein gut entwickletes Bild zu erhalten, hält aber die Möglichkeit für den Fotografen offen, sein Foto nach seinen Bedürfnissen und seinem Verständnis am Computer verlustfrei und nicht-destruktiv entwickeln zu können. Bessere Kameras bieten auch an parallel zum Rohdaten-Formats eine zusätzliche Version des gleichen Fotos als JPEG zu speichern. Dies erhöht zwar den Speicherbedarf, sollte aber heutzutage bei günstigen 32GB Karten kein wirkliches Problem mehr darstellen.

Es gibt keinen Grund nicht das Rohdaten-Format (RAW) zu verwenden

Einen Nachteil hat aber das Rohdaten-Format. Die Rohdaten-Dateien sind meist um ein vielfaches größer (zwei- bis dreifach) als JPEG-Dateien. Rohdaten müssen vor der Weitergabe (Abzüge bestellen, Webseite, Online-Album, etc.) immer erst entwickelt werden. Das heißt im Urlaub mal schnell die Speicherkarte beim Drogerie-Markt an der Ecke in den Computer zum Bestellen von Abzügen zu stecken, ist in den meisten Fällen nicht möglich.

Für mich sind dies aber keine Gründe, die ich gelten lassen möchte. Speicherplatz ist heute so günstig wie noch nie. Externe Speicherplatten mit 2 oder mehr Terrabyte (TB) bekommt man für unter 100.- Euro. Bei einer Größe von 8MB pro Foto passen 250.000 125.000 Fotos auf eine 1 TB große Festplatte. Ebenso kosten Speicherkarten mit 16GB Speicher heute um die 20.- Euro, mit 32GB ca. 40.-Euro. Das ist ausreichend um 500 bis 1000 Fotos auf einer Karte zu speichern (bei 8MB pro Datei).

Schnelle Entwicklung benötige ich äußerst selten. War ich bisher gezwungen ein Foto im Urlaub (ohne dass ich ein Notebook dabei gehabt hätte) zu entwickeln, hatte ich vorher meine Kamera umgestellt, so dass sie neben der RAW-Datei auch ein JPEG mitspeicherte.

Fazit

Für anspruchsvolle oder ambitionierte Fotografen gibt es keinen Grund ihre Fotos nicht im Rohdaten-Format zu speichern. Wer ohne Verlust von Qualität seine Fotos am Computer entwickeln möchte, ist darauf angewiesen, seine Fotos im Rohdaten-Format aufzunehmen. Nur das Rohdaten-Format ermöglicht eine verlustfreie und nicht-destruktive Nachbearbeitung der eigenen Fotos.

Fußnoten

  1. In aktuellen Digitalkameras werden entweder CCD- oder CMOS-Sensoren verwendet. Der Sensor wandelt das Licht in elektrische Impulse um und erzeugt dadurch das Bild. Die verbauten Sensoren von Digitalkameras haben unterschiedliche Größen, dabei wird die Größe immer auf die Größe eines Kleinbild Negativfilms referenziert. Dies hat ein Format von 24×36 mm. Die Diagonale ist daher 43,3mm. Daraus ergab sich, dass man bei Objektiven mit einer Brennweite von 50 mm auch von „Normalbrennweite“ spricht.
    Übersicht Sensorgrößen
    Sensorgröße Bildbreite Bildhöhe (Normal-)Brennweite
    1/2,7″ (Zoll) 5,4 mm 4 mm 7 mm
    1/2,5″ Zoll 5,76 mm 4,3 mm 8 mm
    1/1,7″ Zoll 7,6 mm 5,6 mm 11 mm
    2/3″ Zoll 8,8 mm 6,6 mm 12,5 mm
    4/3″ Zoll 18 mm 13,5 mm 25 mm
    Kleinbild 36 24 50 mm

    Quelle: Fotowelt Online
    [zurück zum Text]

  2. Der Dynamikumfang in der Fotografie beschreibt, welcher Helligkeitsberich auf einem Foto abgebildet werden kann. Als mathematische Formel ist er folgendermaßen definiert:
    Dynamikumfang (Kontrastumfang) D als die höchste darstellbare Helligkeit (Intensität) Imax geteilt durch die niedrigste darstellbare Helligkeit Imin
    D = Imax / Imin
    In der Technik wird für den Dynamikumfang oft der Zehnerlogarithmus dieses Quotienten verwendet und in Dezibel DB gemessen:
    D = 20 * log10 (Imax / Imin)
    In der Fotofgrafie wird jedoch immer in Blendenstufen (Lichtwerten) gerechnet, dabei verwendet man den Zweierlogarithmus des Quotienten:
    D = log2 (Imax / Imin)
    Dabei entspricht 1Bit der Verdoppelung der Lichtmenge also einer Blendenstufe, somit können Blendenstufen und Bits gleichgesetzt werden. [zurück zum Text]
  3. Als Bayer-Sensor bezeichnet man einen Fotosensor, der, ähnlich einem Schachbrett, mit einem Farbfilter überzogen ist, das meist zu 50% aus Grün, und je 25% aus Rot und Blau besteht. Dabei wird berücksichtigt, dass das menschliche Auge auf Grün empfindlicher reagiert als auf andere Farben.

    Nach diesem Konzept der Bayer-Matrix (engl. Bayer-Pattern) arbeiten fast alle gebräuchlichen Farbsensoren in den Produkten für den normalen Konsumenten. Das Konzept dieses Sensortyps steht im Gegensatz zum Konzept der Foveon-X3-Direktbildsensoren. Vergleiche auch Super-CCD-Sensor.

    Die „Bayer-Matrix“ oder „Bayer-Filter“ ist nach ihrem Erfinder Bryce E. Bayer benannt, der am 5. März 1975 das Patent im Namen der Eastman Kodak Company in den USA einreichte (Patent US3971065: Color imaging array.).
    (Seite „Bayer-Sensor“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. März 2012, 08:28 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bayer-Sensor&oldid=100406098 (Abgerufen: 18. März 2012, 14:07 UTC)) [zurück zum Text]

  4. Interpolation (wörtliche Übersetzung: „Zwischenrechnen“) bezeichnet in der digitalen Fotografie ein Verfahren zur Erzeugung von Bildinhalten. Die Interpolation ist ein notwendiger Bestandteil des Signalverarbeitungsweges digitaler Bilder, da alle Änderungen an der Pixelmenge und der Farbe nur hiermit realisiert werden können. Im gesamten Verarbeitungsweg zwischen Bilderzeugung und -darstellung wird mehrfach interpoliert – dabei entsteht immer ein Schärfeverlust.(Seite „Interpolation (Fotografie)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. November 2011, 11:19 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Interpolation_(Fotografie)&oldid=95980438 (Abgerufen: 18. März 2012, 14:09 UTC)) [zurück zum Text]
Marc Koschel

Über Marc Koschel

Fotograf • Musikhörer • Blogger • Denker • Kaffeetrinker
— Marc Koschel lebt bei Mannheim und bloggt seit 2001 über digitale Workflows

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9 Kommentare bisher

1. Kommentar

Marc Koschel

Marc Koschel
21. August 2012 um 16:07

Danke an Christina Fust, die mich auf meinen Rechenfehler bei der Bilderanzahl auf einer 1TB großen Festplatte aufmerksam machte.

Es muss richtig heißen: Auf eine 1TB Platte passen bei 8MB pro Bild ca. 125.000 Fotos.

Die Zahl ist bereits im Text korrigiert.

2. Kommentar

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Julia Melerski
26. August 2012 um 09:14

Hallo Herr Koschel,

ein Freund hat im RAW-Format (mit einer Nikon) Hochzeitsfotos von mir und meinem Mann gemacht. Da er vergessen hat einen Weißabgleich zu machen, seien die Bilder nicht mehr brauchbar – aufgrund meines weißen Kleides ist fast alles eine weiße konturlose Fläche…!
In ihrem Beitrag „Weißabgleich“ schreiben Sie, dass man einen Weißabgleich Software unterstütz noch nachträglich durchführen kann. Daher wollte ich Sie fragen, ob es noch eine Möglichkeit gibt, die Bilder im Konverter zu bearbeiten?

Vielen Dank,
Julia Melerski

3. Kommentar

Marc Koschel

Marc Koschel
26. August 2012 um 14:19

Hallo Julia,

ja prinzipiell kann man bei RAW Bildern, den Weißabgleich nachträglich per Software machen. Vielmehr ist es sogar so, dass die Weißabgleichseinstellungen der Kamera bei RAW Bildern sowieso keinen Einfluss haben. Jedoch ist der Weißabgleich nur für die korrekte Darstellung der Farbe Weiß zuständig. Falls das Bild überbelichtet ist und falsch belichtet ist, kann da auch kein Weißabgleich etwas machen. Ich biete dir an, mir ein Foto als RAW-Datei zu senden, und ich sehe es mir an, ob man da etwas machen kann. Ich schicke dir an deine Mailadresse eine Email auf die du dann antworten kannst.

Beste Grüße
Marc

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Foto Workflow Lightroom 3 » Digital Workflows
24. September 2012 um 14:38

[…] Vorteile des RAW-Datenformats sind ausführlich im Artikel Rohdaten – Welche Vorteile bietet das RAW-Format? erläutert. [zurück zum […]

5. Kommentar

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Michael
25. September 2012 um 10:24

Hallo Herr Koschel,

großes Lob für Ihre informative Website. Solch geballte Information findet man eher selten.

Generell teile ich Ihre Ansicht zum RAW-Format. Allerdings gibt es auch Einschränkungen im vgl. zum JPG-Format bzw. erfordert die Verwendung von RAW einen komplett anderen Workflow.

Die Einschränkungen sind vor allem durch die höhere Dateigröße von RAW-Dateien und den Faktor Zeit gegeben. Ein Fotograf, der mobil arbeitet und auf eine schnelle Veröffentlichung der Fotos angewiesen ist, wird auf Grund der geringeren Bandbreite mobiler Internetverbindungen das kleiner Format wählen müssen, um mehr Bilder übertragen zu können.

Bei Serienbildern ist die interne Datenverarbeitung der Kamera und die Speichergeschwindigkeit der Speicherkarte maßgeblich. Im ungünstigen Fall wird durch die Verwendung von RAW die Speicherkarte derart mit Daten geflutet, dass die Serienaufnahme einbricht. Bei einer 5D-II und 30 MB/s-Karte ist nach 9 Bildern Schluß, das sind etwa 2-3 Sekunden Bildserie. Eine geeignete CF-Karte schlägt aber mit fast 3-fachem Preis zu Buche.

Der wichtigste und häufig unterschlagene Punkt ist allerdings, dass die Verwendung von RAW zwangsläufig ein Farbmanagement erfordert. Die zahlreichen Einstellmöglichkeiten moderner RAW-Konverter erscheinen relativ sinnlos, wenn die Ergebnisse am Monitor falsch dargestellt werden. Die Diskrepanz zwischen Monitorbild und Ausdruck, die nicht unerheblich sein können, können den Anfänger leicht frustrieren. Menschen, die zu Hause drucken wollen, brauchen zudem ein verlässliches Druckerprofil. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann man die RAW-Bearbeitung sicherlich als digitale „Dunkelkammer“ bezeichnen.

Ihrem Fazit schließe ich mich an, möchte aber zu Bedenken geben,
dass der Umstieg auf RAW weit mehr Wissen und finanzielle Mittel erfordert als das bloße Umlegen eines Schalters an der Kamera.

Schönen Gruß,
Michael

6. Kommentar

Marc Koschel

Marc Koschel
25. September 2012 um 17:12

Hallo Michael,

danke für die ausführliche Ergänzungen zum Thema RAW-Daten. Die Punkte sind sehr interessant und müssen durchaus berücksichtigt werden. Ich habe die Punkte zwar für mich im Hinterkopf, habe sie aber nicht im Artikel erwähnt – ein klares Versäumnis 🙂
Danke nochmals für Ihren Beitrag.

7. Kommentar

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Michael Machoy
7. Februar 2014 um 14:18

Hallo Herr Koschel,

vielen Dank für die detailierten Informationen zum RAW-Format. Ich persönlich arbeite damit schon mehrere Jahre mit Nikon-Kameras. Ein guter Freund ist nun aufmerksam geworden und will sich näher mit dieser Möglichkeit zu fotografieren befassen und hat sich, ohne mich zu fragen, eine Sony A580 zugelegt. Nun hat er das Problem, das er im Lightroom 4 nicht ohne weiteres seine RAW-Fotos bearbeiten kann.
Vielleicht können Sie mir und damit ihm einen Rat über mögliche Vorgehensweisen aufzeigen.

Vielen Dank
M. Machoy

8. Kommentar

Marc Koschel

Marc Koschel
6. März 2014 um 15:17

Hallo Herr Machoy,

entschuldigen Sie die späte Antwort. Auf der Webseite von Adobe http://www.adobe.com/de/products/photoshop/extend.html#supportedcameras werden die von Camera Raw und Lightroom unterstützte Kameras aufgelistet. Die Unterstützung für folgende Kameramodelle ist in Camera Raw 8 und Lightroom 5 integriert.

Auf der Seite Why doesn’t my version of Photoshop or Lightroom support my camera? kann man dann einen Link auf die folgende Seite http://helpx.adobe.com/creative-suite/kb/camera-raw-plug-supported-cameras.html finden.
In einer sehr langen tabellarischen Liste sind alle Kameramodelle aufgeführt. Dort sind in je einer weiteren Spalte die Formatnamen (.awr.,cr2,.nef, etc.), die Mindestversion für das Camera-RAW-Plugin und die Minimumversion von Lightroom aufgeführt. Dort sieht man, dass für die Sony A580 LR 3.3 als Mindestanforderung nötig ist. Dies bedeutet wiederum, dass es keine Probleme mit Lightroom 4 geben sollte.

Ich würde mir nun einmal den kostenlosen DNG-Konverter von Adobe herunterladen und versuchen, ob ich ohne Probleme meine RAW-Daten in DNG wandeln kann. Sollte mir das auch nicht gelingen, würde ich mich an den Support von Adobe wenden.

Beste Grüße
Marc Koschel

9. Kommentar

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Josefa
17. März 2014 um 15:10

hallo marc, (kein kommentar aber eine große frage?)
so kurz wie möglich: seit 1 jahr fotografiere ich mit einem i-phone und mache fotos mit wunderschönen motiven (meistens nahaufnahmen pilze etc. im wald). Jeder ist begeistert…vielleicht auch berührt?…, sogar profifotografen.
Zur zeit mache ich eine fotodoku über den reichswald und die zerstörungen in und außerhalb der naturschutzgebiete….alles mit dem handy.
Alle welt glaubt, ich bin eine sehr gute fotografin, stimmt aber nicht, ich habe total keine ahnung, ich bin nur eine aufdemauslöserdrückerin. Heraus kommen dabei aber super fotos. Eine bearbeitung später kann zwar mal vorkommen, ist aber nicht meine wirkliche arbeitsweise und vielleicht macht das auch den reiz der fotos aus….
Damit die fotos von der schärfe her vielleicht noch etwas besser werden, vor allem aber wegen dem RAW-format…danke danke für deinen artikel!!!!…habe ich mir eine olympus em5 + 12-50 kit gekauft…ich weiß, ich weiß, ich muss mich einarbeiten und geduld haben….ABER: das display zeigt mir nicht an was ich in wirklichkeit sehe und ich weiß nicht was ich fotografiere……öhhh und ich muss!!! später das foto immer bearbeiten weil es nicht so ist wie ich es wahrgenommen habe und das will ich nicht, zumindest nicht so in der gänze…
sicherlich habe ich mich von meiner wahrnehmung her dem i-phone angepasst. Ich glaube die farben gehen eher ins kühle, also bläuliche. Aber was ich in natura wahrnehme, sehe ich auch auf dem display und ist nachher farblich auch genau auf dem foto. Und so möchte ich auch weiter arbeiten.
Was kann ich tun? Ist es die falsche kamera? (Ich kann sie noch zurück geben) Gibt es eine einfache kamera die macht was ich will a la handy und trotzdem eine hohe bildqualität zuläßt?
Bitte bitte antworte mir so schnell du kannst (wegen der olympus) und wirklich schon mal ganz großen dank
josefa