Die Zeiten ändern sich schnell

Dieser Artikel ist älter als 7 Jahre — im Internet eine sehr lange Zeit. Eventuell ist der Inhalt beziehungsweise sind die getroffenen Aussagen nicht mehr aktuell.

Verschlagwortung von Fotos

Das Verwalten der Fotomassen, welche sich heutzutage auf den Festplatten von Hobby-, Amateur- und Profifotografen ansammeln, will gut durchdacht sein. Es ist für mich unabdingbar sich einen einheitlichen Workflow zu überlegen und sich an diesen zu halten. Genauso braucht man eine, den Bedürfnissen entsprechende, Fotoverwaltungssoftware und es ist absolut notwendig die Metadaten zu den einzelnen Bildern zu erfassen und zu pflegen. Ein besonderer Aspekt der Metadaten sind dabei die Schlagwörter, die es in besondere Weise erleichtern ein gesuchtes Bild aus der Masse zielsicher finden zu können.

Sind Schlagworte sinnvoll?

In früheren Artikeln schilderte ich bereits, wie ein einheitlicher Workflow umgesetzt werden kann, in dem ich Ihnen meinen Workflow im Detail erläuterte. [1] In weiteren Artikeln diskutierte ich die Verwendung einer Software für die Fotoverwaltung [2] sowie die Pflege der IPTC-Metadaten. [3] Alle drei Themen sind aus meiner Sicht unabdingbar, um einzelne Bilder schnell aus der Masse der vorhanden Bilder herausfiltern zu können.

Ich möchte nun einen besonderen Aspekt der Metadaten herausgreifen, ihn diskutieren und die Verwendung in Aperture 3 aufzeigen. Dies sind die Schlagworte (keywords). Alle Fotoverwaltungsprogramme haben die Verwendung von Schlagworten implementiert. Die meisten schreiben sie auch in die dafür vorgesehenen Datenfelder des IPTC-Core.[4]

Ich nutze die Schlagworte sehr ausgiebig. Meine Überlegungen sind, dass ich durch die Vergabe von Schlagworten möglichst schnell bei einer Suche nach bestimmten Fotos meine knapp 20000 Fotos auf wenige (< 150) eingrenzen können muss. Um diese Masse sinnvoll zu filtern, reicht hierbei natürlich ein Schlagwort pro Foto nicht. Jedoch durch die Kombination von zwei oder drei Schlagworten gelingt mir das meist recht gut. Ich muss nun ein wenig in die Zeit vor Aperture 3 zurückgreifen, da ich seit dem Erscheinen von Aperture 3 die Schlagwortevergabe angepasst habe. Dies liegt an den neuen Funktionen Orte (Places) und Gesichter (Faces).

Welche Schlagworte soll man vergeben?

Ich vergebe maximal vier Arten von Schlagworten:

  1. Wo?
  2. Wer?
  3. Was?
  4. Wie?

Wo wurde das Fotos aufgenommen?

Ich habe für alle Fotos, die ich aufnehme, als Schlagwort das Land, die Region und den Ort eingegeben, an dem die Fotos entstanden sind; also zum Beispiel „Deutschland“, „Bayern“ und „München“ oder „Kanada“, „Yukon Territory“ und „Dawson City“.[5] Allein mit diesen Basisschlagworten und eventuell in Kombination mit dem Aufnahmejahr lässt sich die Masse von über 20000 Fotos auf wenige 100 bis maximal 1000 Fotos eingrenzen. Jedoch sind 1000 Fotos immer noch zu viele, um ein einzelnes schnell zu finden.

Wer ist auf dem Foto abgelichtet?

Das heißt, dass weitere Schlagworte den Inhalt des Bildes beschreiben müssen. Sind Personen auf dem Foto abgelichtet, die ich namentlich kenne, so wird der Name (Vor- und Nachname) als Schlagwort vergeben.[6] Sind mehrere Personen auf dem Foto, die ich namentlich kenne, so erfasse ich alle Namen als Schlagworte.[7]

Da ich häufig auch Menschen fotografiere, die ich nicht persönlich kenne, komme ich nicht umhin auch für diese Personen Schlagworte zu erfassen. Ich versuche dabei die Person und ihre Charakteristika möglichst genau zu erfassen. Dies kann zum Beispiel folgendermaßen aussehen: „junger Mann mit schwarzen Haaren“ oder „alte Frau mit einem Zahn“.

Was ist auf dem Foto abgelichtet?

Vergeben Sie Schlagwörter zu den Fragen: Wo?, Wer?, Was? und Wie?

Nun nehme ich nicht nur Personen auf, sondern fotografiere auch viele Landschaftsbilder. Hier versuche ich das Hauptmotiv oder die zentralen Motive zu erfassen. Auch hier ein paar Beispiele: Ein Bild, auf dem eine Kirche und davor ein blühender Kirschbaum zu sehen sind, würde ich mit „Kirche“ und „Kirschbaum“ verschlagworten. Für eine Landschaftsaufnahme mit Bergen im Hintergrund, einem See und Wald, würde ich auch genau diese Schlagworte verwenden – „Berge“, „See“ und „Wald“. Ein weiteres Beispiel könnte „Sonnenuntergang am Meer“ für das entsprechende Motiv heißen.

Wie wurde das Foto aufgenommen?

Diese vierte Art verwende ich recht selten bzw. nur dann, wenn die anderen Schlagworte so allgemein sind, dass die Zahl der gefilterten Fotos einfach noch zu groß ist. Nehmen wir das Beispiel aus dem vorhergehenden Punkt. Wenn Sie viele Landschaftsaufnahmen im Norden Kanadas oder der USA (natürlich auch in Europa oder sonst wo auf der Welt) machen, werden auf den meisten dieser Fotos Berge, Seen und Wald zu sehen sein. Hier versuche ich nun entweder ein weiteres Charakteristika dieses Bildes zu finden oder vielleicht eine spezielle Aufnahmeart. Dies kann zum Beispiel „hochkant“ oder „längs“ sein. Bei Personen könnte zum Beispiel „Portrait“, „Ganzkörper“ oder „seitlich“ als Schlagwort verwendet werden.

Verschlagwortung in Bridge CS4

Verschlagwortung in Bridge CS4

Einheitliche Schlagworte

Nachdem ich nun meine Fotos verschlagwortet hatte, kam es vor, dass ich ein Bild, auf dem ich einen Berg aufgenommen hatte, unter dem Schlagwort „Berge“ aber nicht fand. Dies lag daran, dass ich nun unterschiedlich „Berg“, „Berge“ oder gar „bergisch“ verwendet habe. Ich entschied daher einheitlich immer die Singularform eines Schlagwortes und wenn immer möglich das Nomen zu verwenden, also „Berg“.

Ebenso entschied ich mich dafür die deutsche Rechtschreibung und damit auch die Groß-/Kleinschreibung zu berücksichtigen und nicht der im Internet verbreiteten Unart nachzugeben alles klein zu schreiben. Dies erscheint sinnvoll, wenn man weis, dass auf meiner damaligen Webseite durch ein PHP-Script die Schlagworte aus dem IPTC-Core ausgelesen wurden und automatisch auf der Webseite zu den einzelnen Fotos angezeigt wurden.

Ich stelle Fotos auf unterschiedlichen auch internationalen Seiten aus. Gerade auf den internationalen Seiten sind meine deutschen Schlagworte nicht zu gebrauchen. Ich bin daher am Überlegen, ob ich meine Schlagworte komplett auf englische Sprache umstelle. Diese Frage möchte ich jedoch in einem anderen Artikel gerne mit Ihnen diskutieren.

Kontrolliertes/Festes Vokabular

Das Beispiel aus dem oberen Abschnitt war jedoch auch nach meiner Regel, immer wenn möglich das Nomen im Singular zu verwenden, noch nicht gelöst, denn auch bei Einhaltung dieser Regel kam es zur Mehrdeutigkeit, da ich ein und dieselbe Sache unter verschiedenen Synonymen verschlagwortet hatte. Ich hatte den Personenkraftwagen einmal als „Wagen“, dann als „Auto“ oder als „PKW“ erfasst gehabt. Es empfiehlt sich daher auf einen Katalog mit einem festen Vokabular (controlled vocabulary) auch Taxonomie genannt zu berufen. In diesem werden die Begriffe, die für Schlagworte verwendet werden können, festgelegt.

Im Internet kann man hierzu Informationen beim IPTC (NewsCodes) oder bei controlledvocabulary.com finden. Das IPTC geht sogar noch einen Schritt weiter und löst auch das Problem der unterschiedlichen Muttersprachen. Es stellt hierfür sogar zwei eigene Felder in den IPTC-Metadaten bereit. Dies sind der IPTC-Scene Code und der IPTC-Subject Code.8 Neben einem kontrollierten Vokabular wird jeder einzelne Begriff mit einem Code versehen. Dies hat den Vorteil, dass man in den Metadaten nur diesen Code erfasst. Der Code ist dann in allen Sprachen gleich und kann mit den jeweiligen Begriffen in den einzelnen Sprachen in Verbindung gebracht werden.

Momentan liegt aber nur der Katalog Subject NewsCodes in verschiedenen Sprachen vor.[9] Ein Beispiel soll auch hier gezeigt werden. Die Codenummer 01000000 steht in (Britisch) Englisch für „arts, culture and entertainment“. Auf deutsch steht dieser Code für „Kultur, Kunst, Unterhaltung“ und in französisch heißt es „Arts, culture, et spectacles“. Für alle Sprachen gibt es jeweils auch eine ausführlichere Beschreibung des Inhaltes.

Die Verwendung einer Taxonomie (festes Vokabular) hilft Redundanzen zu vermeiden.

Der News Code ist zusätzlich hierarchisch gegliedert. Dies ist an den Codes selbst zu erkennen, es wird aber auch bei den einzelnen Codes der übergeordnete Code angegeben. So ist zum Beispiel der Code 01001000 (en: „archaeology“; de: „Archäologie“; fr: „Archéologie“) unterhalb des oben genannten News Code 01000000. Dies können durchaus noch weitere Unterebenen beinhalten.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Verwendung von Schlagworten in Fotos ist ohne Zweifel sinnvoll, um große Massen an Aufnahmen schnell und effizient filtern zu können. Jedoch bedarf es einiger Überlegungen, die Schlagworte, welche man verwenden möchte, zu organisieren. Softwareprogramme zur Verwaltung von Fotos (Aperture, Lightroom, etc.) unterstützen die Anwender jedoch dabei, diese Überlegungen sinnvoll umzusetzen. Ich möchte daher in einem folgenden Artikel die Schlagwortverwaltung in Aperture 3 erläutern und die Vor- und Nachteile mit Ihnen diskutieren.

Fußnoten

  1. Workflow für Fotografie am Mac (aktualisiert) (zurück zum Text)
  2. Den Fotobestand organisieren (zurück zum Text)
  3. IPTC-Daten (zurück zum Text)
  4. In dem Artikel Fotos von iPhoto nach Aperture 3 übernehmen wird beschrieben, dass zum Beispiel iPhoto vor Version 7 Schlagworte (Schlüsselwörter) nicht in die dafür vorgesehenen IPTC-Datenfelder schrieb, sondern nur in der internen Datenbank verwaltete, was wiederum bei der Übernahme in andere Programme zu Problemen bzw. zum Fehlen der Schlagworte führte. (zurück zum Text)
  5. Der IPTC-Core sieht eigene Felder für diese Informationen vor (vgl. IPTC-Daten). Wenn GPS-Daten vorliegen oder nachträglich ergänzt werden (z.B. über Google Earth oder der Gesichter Funktionalität in Aperture 3) werden die durch die Koordinaten bestimmten Werte (Stadt/Ort, Region/Bundesland und Land/Staat) meist von den Programmen in den vorgesehenen Feldern ergänzt. (zurück zum Text)
  6. Man sollte sich die Namenskonvention vorher gut überlegen. Für mich sieht „Vorname Nachname“ am natürlichsten aus. Es sind jedoch auch Formen der Art „nachname-vorname“ denkbar. Zu beachten ist nur, dass Nachname und Vorname nicht durch Komma getrennt werden können, da das Komma als Seperator zwischen unterschiedlichen Schlagworten verwendet wird. (zurück zum Text)
  7. Hier erfasse ich wirklich nur Personen, die klar und deutlich auf dem Bild zu erkennen sind (Vordergrundmotive). (zurück zum Text)
  8. Es gibt einen weiteren international einheitlichen Katalog und zwar in Form der ISO-Länderkürzel (zurück zum Text)
  9. Der Katalog liegt im Standard in British English vor (en-GB). Weitere Sprachen sind Französisch (fr), Spanisch (es), Deutsch(de), Japanisch (jp-JP) und Italienisch (it), weitere Sprachen sollen später folgen. Momentan liegt aber nur der Katalog der Subject NewsCodes in mehreren Sprachen vor. (zurück zum Text)
Marc Koschel

Über Marc Koschel

Fotograf • Musikhörer • Blogger • Denker • Kaffeetrinker
— Marc Koschel lebt bei Mannheim und bloggt seit 2001 über digitale Workflows

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11 Kommentare bisher

1. Kommentar

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Reinhard
1. Juni 2010 um 14:30

Ich denke gerade darüber nach, von iPhoto ’09 auf Aperture 3 umzusteigen. Während meiner Suche nach Infos zur Frage, welche Software sich für mich zur Bildverwaltung besser eignet, bin ich zufällig über diese Seite gestolpert. Hier wurden mir viele Fragen beantwortet, die ich mir seit langer Zeit insbesondere zum Thema Schlagworte/IPTC stelle. Besten Dank, dass du dir die Mühe machst, deine Erkenntnisse in dieser Form hier zu veröffentlichen.

2. Kommentar

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Reinhard
1. Juni 2010 um 14:31

😳 Das Kästchen habe ich zu spät gesehen. Natürlich möchte ich über weitere Kommentare informiert werden. 😳

3. Kommentar

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Reinhard
1. Juni 2010 um 14:42

„… seit dem Erscheinen von Aperture 3 die Schlagwortevergabe angepasst habe. Dies liegt an den neuen Funktionen Orte (Places) und Gesichter (Faces)…“

Das würde mich sehr (!) interessieren, wie du das jetzt handhabst. Bis zur Einführung von Faces und Places mit iPhoto 08 habe ich auch dafür Schlagworte vergeben. Seither freilich nicht mehr.

Nun stehe ich aber vor zwei Problemen:

1. Places und Faces sind nur im Apple Ökosystem vorhanden. Bei der Weitergabe der Fotos sind diese Informationen verloren. Also ist doch weiterhin die Erfassung zusätzlicher IPTC-Schlagworte nötig?

2.) Faces funktioniert nur bei Frontalaufnahmen zuverlässig und auch da meist nur, solange keine Brillen im Spiel sind. Wenn ich also auch Fotos finden will, auf denen die Gesichter nicht problemlos identifizierbar sind, etwa weil die Personen seitlich stehen oder mir den Rücken zugewandt haben – wäre auch hier eine zusätzlich Verschlagwortung erforderlich. Oder ist mir da irgend ein Trick entgangen?

4. Kommentar

Marc Koschel

Marc Koschel
2. Juni 2010 um 09:39

Hallo Reinhard, danke zunächst einmal für das Lob. Es motiviert zum Weitermachen 🙂

Zu deinen Fragen bezüglich Places and Faces
Zur Gesichtserkennung: Das Erkennen der Gesichter klappt recht gut, allerdings treten beim Erkennen gewisse Probleme auf. Hier werden Softwareprogramme in den nächsten Jahren daran weiter entwickeln müssen, um bessere Trefferquoten zu erreichen. Den aktuellen Stand nehme ich aber erstmal so als gegeben hin.

Die für mich wichtigere Frage ist, was ich mit dem erfolgreichen Ergebnis anfangen kann. Ich habe Fotos auf denen Gesichter oder Personen erkannt wurden und diese sind nun mit Namen versehen. Zunächst einmal erleichtert mir das meine Arbeit, da ich bestimmte Fotos schneller finde. Das diese Hilfe zunächst einmal nur im Apple Ökosystem vorhanden ist, stört mich weniger. Ich verschlagworte primär, um mir die Suche zu vereinfachen, nicht um diese Daten beim Export zur Verfügung zu stellen. Die meisten Fotos mit Personenbezug sind sowieso im privaten Umfeld, so dass die Bedeutung der Namen beim Veröffentlichen der Fotos eher untergeordnet sind. Habe ich Fotos von Persönlichkeiten aufgenommen übernehme ich manuell den Namen in die Schlagwörter. Hier wünsche ich mir natürlich, dass Aperture (oder auch iPhoto) automatisch zu erkannten Gesichtern notierte Namen in die Schlagwörter übernimmt. Diese Funktionalität gibt es noch nicht und ist auch nicht absehbar.

Zur GPS-Lokalisation:
Meiner Meinung nach gehören Ortsinformationen nicht mehr in die Schlagwörter, da es dafür spezielle Felder in den IPTC-Daten gibt. Das sind nicht nur die GPS-Koordinaten, sondern auch PLZ, Stadt, Land und Ländercode. Leider füllt Aperture nur die GPS-Koordinaten und nicht die aussagekräftigeren Felder.

Ich selbst gehe dabei unterschiedlich vor. Bei größeren geplanten Fotosessions habe ich meistens einen GPS-Logger dabei. Ist also eine GPS-Track Datei vorhanden, benutze ich vor dem Wandeln der RAW-Bilder in DNG ein Programm (GPSPhotoLinker) um die GPS-Daten den RAW-Dateien zuzuordnen. Dieses Programm beschreibt auch die IPTC-Felder für PLZ, Ort und Land. Diese Daten sind mir auch beim Export wichtig, da im Gegensatz zu den Personen weitere Funktionalitäten, wie zum Beispiel das Anzeigen auf einer Karte möglich ist. Ebenso kann ich auf meiner Fotoseite diese Daten direkt per PHP auslesen und als Bildunterschrift anzeigen.

Habe ich keine GPS-Daten, die ich zuordnen könnte, ordne ich die Orte über die Places-Funktionalität von Aperture zu und vergebe die IPTC-Daten zu PLZ, Ort und Land wieder manuell. Auch hier wünsche ich mir den Automatismus in Aperture und iPhoto.

Du merkst sicherlich, dass der Workflow leider nicht immer einfach und bequem ist. Letzendlich mache ich mir aber den Aufwand, da er im Gesamtprozess doch Arbeit spart. Die Illusion, dass ein Programm gänzlich ausreichend für den kompletten Prozess der Fotoverwaltung ist, habe ich aber schon lange verworfen 😉

5. Kommentar

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Reinhard
2. Juni 2010 um 10:38

Danke für deine Antwort und fettes Kompliment zu deiner erfrischend klaren, verständlichen und nachvollziehbaren Ausdrucksweise.

„Ich verschlagworte primär, um mir die Suche zu vereinfachen, nicht um diese Daten beim Export zur Verfügung zu stellen.“ – So ist es prinzipiell auch bei mir. Bei der „Verlustangst“ im Falle einer Weitergabe dachte ich weniger an die Veröffentlichung also vielmehr an einen möglichen späteren Umstieg auf ein anderes Fotoverwaltungssystem. Ich hatte das Problem damals beim Umstieg von ACDSee (Windows) zu iPhoto (Mac), und gebranntes Kind, na du weißt schon … Aber das Problem ist doch weit hergeholt, denn ich kann mir derzeit beim allerbesten Willen nicht vorstellen, dass ich jemals wieder das Mac-„Okosystem“ verlassen könnte. 😉

Was ich übrigens nicht wusste, aber mittlerweile von den Macusern erfahren habe, ist, dass bei einer Suche nach Namen automatisch immer sowohl die Schlagworte wie auch Faces durchsucht werden (bei iPhoto, also wohl auch bei Aperture). Man muss also nicht doppelt erfassen – zumindest solange man im eigenen Ökosystem bleibt.

Außerdem habe ich ein interessantes [url=http://support.apple.com/kb/ht3442]Supportdokument[/url] gefunden, wo beschrieben wird, wie die Gesichtserkennung mit manuell zugeordenten, schlecht oder nicht identifizierbaren Gesichtern, umgeht. Interessant dabei ist, dass manuell zugeordnete Gesichter iPhotos Erkennungsfähigkeit [b]weder positiv noch negativ beeinflussen[/b]. Bei Aperture wird das ebenso sein, nehme ich an. Also kann man unbesorgt z.B. auch Hinterköpfe mit der Faces-Funktion zuordnen und braucht nicht auf Schlagworte zurückzugreifen.

Noch etwas offtopic: Als ambitionierter Hobbyfotograf bin ich mit iPhoto ’09 eigentlich sehr zufrieden. Was mich aber sehr stört, ist die starre Bevormundung durch das Konzept der „Ereignisse“. Nicht alles, was man so fotografiert, sind „Ereignisse“. Ich fotografiere auch mal über längere Zeiträume themenbezogen (z.B. Tiere, Landschaften, Lo-Fi), und da muss ich die iPhoto-Events schon ziemlich vergewaltigen, um solche Themen sauber zusammenfassen zu können. Alben sind dafür keine Lösung. Da liegt mir das Konzept der „Projekte“ von Aperture näher. Das ist ein wesentlicher Grund für meine Überlegung, zu Aperture 3 zu wechseln. Der Umstieg scheint ja sehr problemlos zu sein.

Sorry für die vielen Worte – aber du wünschst dir ja schließlich lebhafte Diskussionen auf diesen Seiten … 😉

6. Kommentar

Marc Koschel

Marc Koschel
2. Juni 2010 um 13:40

Hallo Reinhard,

keine Angst vor langen Texten! Wer etwas zu sagen hat, braucht auch Platz dafür. Du bist hier schon richtig 😉

Die „Verlustangst“ ist ein berechtigtes Argument. Lieber ein paar Schlagworte zuviel als zu wenig.
Ich bin momentan am Überlegen, ob ich die Schlagwortvergabe nicht schon vor dem Import in Aperture in einem separaten Programm (z.B. Adobe Bridge) mache, da mir die hierarchische Struktur dort besser gefällt. Im Gegensatz zu Aperture ziehst du die Schlagworte nicht vom Katalog auf ein Bild, sondern hakst die entsprechenden Schlagworte in einer baumartigen Struktur an. Dabei kannst du festlegen, ob übergeordnete Schlagworte automatisch mitangehakt werden sollen.

Aber auch, wenn ich nicht alles in Aperture super finde, ist es dennoch mein Werkzeug der Wahl.

Zu Ereignissen und Projekten: Prinzipiell sind sie mehr oder weniger identisch und heißen nur anders. Du kannst Ereignisse (und auch Projekte), nachdem du mehrere selektiert hast, über die rechte Maustaste auch zusammenführen. Was bei Ereignissen glaube ich nicht geht (bei den Projekten jedoch ohne Probleme) ist das direkte Hinzufügen neuer Fotos.

7. Kommentar

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Reinhard
2. Juni 2010 um 14:17

Genau das ist einer der Punkte, die mich beim iPhoto Events-Konzept stören. Wenn ich z.B. vor drei Jahren ein Ereignis „Stilleben“ angelegt hätte, und hier drin alle entsprechenden Fotos sammeln möchte, dann versteckt sich dieses „Ereignis“ irgendwo zwischen anderen aus dem Jahr 2007. Oder ich verschiebe es manuell. Aber wohin, sinnvollerweise? Ganz an den Anfang meiner Mediathek? Oder ans Ende, wo es immer stört, wenn ich es nicht brauche? Alles nicht optimal, wenn ich heute Fotos schieße, die ich in diesem Projekt drin haben will.

Zur Suche nach dem richtigen Ordner kommt dann noch die Hürde, dass ich nach dem Import erst in die Fotos-Ansicht wechseln muss, dort das beim Import automatisch neu erstellte Ereignis öffnen muss, darin die betreffenden Bilder markieren und diese dann mit gedrückter Maustaste – möglichst ohne sie unterwegs über einem meiner ca. anderen 400 Event-Ordner versehentlich fallen zu lassen – in den irgendwo anders in der Mediathek befindlichen Ordner „Stilleben“ verschieben.

Die nahe liegende Alternative, die Bilder in der Mediathek zu lassen wo sie sind und zusätzlich einfach ein Album anzulegen, in dem ich die betreffenden Bilder sammle, ist in diesem Fall keine gute Lösung, denn damit blieben sie ja in der Mediathek dauerhaft verteilt und schwer aufzufinden, also genau das, was ich bei themenbezogenen Projekten nicht will.

Besser wäre es deshalb aus meiner Sicht, wenn man die Ordner aufsplitten könnte in die Bereiche „(echte) Ereignisse“ und „Themen“. Das ist aber mit iPhoto-Ereignissen nicht möglich; mit Aperture-Projekten dagegen offenbar schon.

Ich werde mir wohl mal die Testversion holen. 200 Euro hin oder her. Dafür hat man dann ja auch noch Features wie IPTC, Filter, Anpassungen, bessere Handhabung von Faces und Places etc.

8. Kommentar

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Reinhard
7. Juni 2010 um 16:19

So, nach einigen Testtagen mit Aperture 3 bin ich zu einem Entschluss gekommen: Ich bleibe bei iPhoto. Aperture ist ein super Programm, bietet aber für meinen Bedarf doch zu viel. Da ich mich immer nur sporadisch – dann aber intensiv – mit Bildverwaltung befasse, ist mir die Lernkurve zu anspruchsvoll. Danke dir noch mal für deine Antworten und Infos. Ich hab mir dein Blog jedenfalls gleich mal in meine Lesezeichen gepackt. 🙂

9. Kommentar

Marc Koschel

Marc Koschel
7. Juni 2010 um 18:35

Hallo Reinhard,
ich finde deine Entscheidung gut. Es kommt nicht (nur) darauf an, was ein Programm alles für Funktionen bietet, sondern auf das, was ich persönlich mit dem Programm machen möchte. Ich finde iPhoto ist ein tolles Programm, was es ermöglicht intuitiv seine Fotos zu verwalten. Falls du gerne über deine Erfahrungen mit iPhoto mal berichten möchtest, richte ich dir gerne einen Account hier ein 😉

10. Kommentar

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Reinhard
7. Juni 2010 um 19:06

Danke für das Angebot, Marc. Aber das würde meine zeitlichen Möglichkeiten üersteigen. Es gibt ja noch ein Leben abseits des Mac (dieses zum Beispiel: http://www.cocodemer.de/extras/mac/mac-an-bord.html) 😉

So, jetzt muss ich aber schleunigst zurück zum WWDC-Liveticker …

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Foto Workflow Lightroom 3 » Digital Workflows
16. September 2012 um 12:57

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