Die Zeiten ändern sich schnell

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Vorschau auf Adobe Photoshop Lightroom 4

Schaut man auf die neuen Funktionen, die in Lightroom 4 angekündigt werden, könnte man denken, das gab es bereits vor zwei Jahren in Apples Aperture 3. Schön das Adobe auch hier angekommen ist. Doch so schnell sollte man nicht urteilen, denn die Änderungen sind im Detail. Ein Blick auf das neue Adobe Photoshop Lightroom 4 (beta) lohnt allemal und macht Appetit auf mehr.

Was ist Photoshop Lightroom?

Der Artikel richtet sich zwar an Anwender vorangegangener Lightroom Versionen (1,2,3) oder an Aperture Anwender, dennoch möchte ich kurz vorstellen, was Lightroom eigentlich ist. Adobe Photoshop Lightroom gehört zu der recht neuen Kategorie der Programme, die sich dem „Digital Workflow“ (zu deutsch: digitaler Arbeitsprozess) verschrieben haben. Damit ist Lightroom weder ein klassisches Bildbearbeitungsprogramm[1] noch eines der üblichen Bildverwaltungsprogramme.[2] Lightroom richtet sich sowohl an ambitionierte Hobbyfotografen als auch an (semi-)professionelle Fotografen, deren Workflow des Verwaltens, Optimierens und der Ausgabe ihrer Fotografien mit dem Programm nachempfunden ist. Dies schließt ebenso einen guten RAW-Konverter ein. Ob Sie nun Adobe Photoshop Lightroom oder Apple Aperture verwenden, ist eine philosophische Betrachtungsweise.[3]

Photoshop Lightroom

Photoshop Lightroom

Installation

Seit Mitte Januar kann man die Beta Version von Photoshop Lightroom 4 auf der Webseite von Adobe kostenlos für PC und MAC downloaden (Download-Link).[4] Da die Beta-Version einen eigenen Katalog anlegt, lässt sie sich sogar parallel zu einer bereits vorhandenen Vorgängerversion installieren. Wer Lightroom 4 testen möchte, braucht entweder Windows 7 oder Vista, beziehungsweise einen 64-bit-Mac mit OS 10.6.8 oder höher. Wenn auch die Hardwarevoraussetzungen (Bildschirmauflösung mind. 1.024 mal 768 Bildpunkten, DVD-Laufwerk, Internet-Anschluss) von den meisten modernen Computern erfüllt werden sollte, dürfte der von Adobe empfohlene Arbeitsspeicher bei vielen Anwendern für Enttäuschung sorgen. Adobe empfiehlt mindestens zwei Gigabyte Arbeitsspeicher — für große Bibliotheken sogar drei oder besser sogar vier Gigabyte RAM.

Fotobücher

Photoshop Lightroom ist bekannt für die eingebundenen Module, die den Fotografen in seinem Workflow optimal unterstützen sollen und dem Weg eines Fotos mit Verwalten/Importieren (Bibliothek), Bearbeiten (Entwickeln) und Ausgabe (Diashow, Drucken, Web) nachempfunden ist. In Lightroom 4 sind zwei weitere Module hinzugekommen. Das erste neue Modul heißt Buch, mit dem sich Fotobücher erstellen lassen. Adobe stellt zahlreiche Vorlagen zur Verfügung, die es den Anwendern ermöglicht Fotobücher in unterschiedlichen Größen und Layouts einfach zusammenzustellen. Bereits in der Beta Version ist der Online Anbieter Blurb angebunden. Die Preise bei Blurb bewegen sich im üblichen Rahmen. Alternativ kann man ein in Lightroom 4 erstelltes Fotobuch auch als PDF ausgeben lassen, um es zum Beispiel bei einem anderen Anbieter drucken zu lassen.

Geodaten

Das zweite neue Modul heißt Karte und sortiert sich im Workflow hinter dem Modul Entwickeln und vor dem neuen Modul Buch ein. Mit Geodaten lassen sich Fotos, in denen GPS-Daten in den EXIF-Metadaten gespeichert sind, auf einer Karte markieren. Aber auch wenn die Bilder noch keine GPS-Informationen in den EXIF-Metadaten enthalten, bietet Lightroom 4 die Möglichkeit, separat mit einem GPS-Logger aufgezeichnete Geodaten mit den Fotos zu synchronisieren. Zu guter Letzt lassen sich die Fotos auch manuell auf der Karte platzieren beziehungsweise die Geodaten manuell eingeben.

Videoverwaltung

In Lightroom 4 wurde eine rudimentäre Videobearbeitung implementiert. Neben den Möglichkeiten des Abspielens importierter Videoclips, einfacher Schnitte oder dem Abspeichern einzelner Frames, lassen sich sogar einige der Standardbearbeitungsfunktionen aus dem Modul Entwicklung in der neuen Version auf importierte Videoclips anwenden. Exportieren lassen sich die Videoclips im H.264 Format oder sie können, heutzutage wohl unumgänglich, auf Facebook oder Flickr veröffentlicht werden.

Neues Entwickeln-Modul

Die größten Änderungen an Photoshop Lightroom 4 dürften — wenn auch nicht gleich ersichtlich — im Modul Entwickeln enthalten sein. Werden Fotos, die mit Vorgängerersionen von Lightroom oder auch Adobe Camera Raw bearbeitet wurden, in Lightroom 4 geladen, passiert außer einem kleinen Warnsymbol in Form eines Ausrufezeichens im Vorschaufenster mit dem Hinweis auf Prozessversion 2012 zu aktualisieren nichts. Erst mit einem Klick auf das Symbol erhält man die neuen Funktionalitäten im Entwickelnmodul: Neue Regler und neue Einstellmöglichkeiten bei alten Reglern. Adobe hat konsequent den Workflow vieler Fotografen auch in einer Umsortierung beziehungsweise neuen Anordnung der Regler oder deren durchgängigen Standardeinstellung „0“ im Auge gehabt. Ebenso erscheint die Bearbeitungsengine im Hintergrund verbessert worden zu sein, da die Fotos subjektiv auch bei den „Auto“ Funktionen (Belichtung, Kontrast) klarer und brillianter wirken.

Ein tolles und seit Aperture 3 vermisstes Feature sind die lokalen Korrekturpinsel. Damit lassen sich Bearbeitungen und Korrekturen auf einzelne lokale Stellen in einem Foto auftragen. Dies funktioniert sogar beim Weißabgleich und unterstützt damit sogar Aufnahmen mit unterschiedlichen Lichtquellen. Von professionellen Fotografen sehnlichst erwartet und nun endlich implementiert ist das sogenannte Softproofing. Mit Softproofing lässt sich am Bildschirm das zu erwartende Printergebnis simulieren. Damit dies möglich ist, muss jedoch der Monitor zum einen den Farbraum des Druckers abbilden können, zum anderen müssen die notwendigen Druckprofile hinterlegt sein. Um den unterschiedlichen Anforderungen an eine Aufnahme gerecht zu werden, lässt sich in Lightroom eine virtuelle Kopie anlegen, die man dann optimal für die Druckausgabe anpassen kann.

Fazit

Die Public Beta von Adobe Photoshop Lightroom 4 macht Spaß. Einige Funktionen, die in Version 3 vermisst wurden und das Konkurenzprodukt von Apple bereits seit zwei Jahren beherrscht, findet man nun in Lightroom 4. Auf den Consumerbereich abzielende Funktionen, wie die Gesichtserkennung, wurde bewusst verzichtet. Dies überlässt Adobe anderen Produkten aus dem eigenen Haus (zum Beispiel dem Photoshop Elements Organizer). Eine Installation der Beta Version lohnt allemal und läuft stabil. Wie immer sollte man aber beachten, dass Beta Versionen nicht auf Produktivsystem installiert gehören.

Wer schnell einen Überblick über die neuen Features von Lightroom haben möchte, sollte auf der Webseite von Adobe TV What’s New in Lightroom 4 Beta schauen. Hier werden einige Videoclips zu Lightroom 4 vorgestellt.

Fußnoten

  1. Das klassische Bildbearbeitungsprogramm schlechthin ist Adobe Photoshop oder sein „kleiner Bruder“ Adobe Photoshop Elements. Weitere bekannte Grafikprogramme sind zum Beispiel GIMP, Corel Photo Paint, PhotoImpact, Paint.NET oder Pixelmator (diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit).
  2. Im Gegensatz zu den Programmen des Digital Workflows beschränkt sich Bildverwaltungssoftware auf das Sammeln und Verwalten von Bildern und Fotos, ermöglicht aber auch schon rudimentäre Bearbeitung. Als Zielpublikum wird jedoch mehr der Consumerbereich als der ambitionierte Fotograf betrachtet. Eine klare Differenzierung zwischen den beiden Softwarebereichen ist jedoch recht schwierig. Typische Vertreter der Bildverwaltungssoftware sind: Apple iPhoto, Picasa, ThumbsPlus, XN View, Irfan View, Adobe Bridge, ACDSee.
  3. Einen Vergleich zwischen Lightroom 3 und Aperture 3 können Sie hier auf Digital Workflows nachlesen:
    1. Aperture vs. Lightroom (Version 3) Vergleiche im Internet
    2. Aperture vs. Lightroom: Top 10 Features Aperture 3
    3. Aperture vs. Lightroom: Top 10 Features Lightroom 3
  4. Nach Angaben von Adobe funktioniert die Testsoftware bis zum 31.03.2012.
Marc Koschel

Über Marc Koschel

Fotograf • Musikhörer • Blogger • Denker • Kaffeetrinker
— Marc Koschel lebt bei Mannheim und bloggt seit 2001 über digitale Workflows

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