Die Zeiten ändern sich schnell

Dieser Artikel ist älter als 9 Jahre — im Internet eine sehr lange Zeit. Eventuell ist der Inhalt beziehungsweise sind die getroffenen Aussagen nicht mehr aktuell.

Workflow für Fotografie am Mac

Vom Motiv über die Kamera über USB über verschiedene Software zum Abzug oder zur Fotowebseite ist es ein langer Weg mit vielen Ab- und Verzweigungen.
Mich interessiert euer Workflow!

Was macht ihr alles, bis ihr eure Bilder auf einer entsprechenden Webseite habt oder sie (doch noch) entwickeln lasst. Besonders interessiert mich, welche Software ihr für welche Tätigkeiten verwendet. Wie sieht es mit den Formaten aus: RAW, DNG, JPEG oder gar TIFF? Benutzt ihr Geotagging und wie? Konvertiert ihr die Bilder in spezielle Formate? Wie sichert ihr eure Fotos? Wie bewertet ihr sie? Wie sortiert ihr sie aus?

Vorbereitende Überlegungen

  1. Welcher Rechner: Mac oder PC?
  2. Liegen Fotos als JPEG oder RAW vor?
  3. Was werde ich weiter verarbeiten? DNG?
  4. Habe ich GPS-Tracks mitgespeichert?
  5. Falls nein, will ich dennoch GPS-Daten ergänzen?
  6. Wo speichere ich die Bilder und wie erstelle ich Sicherungskopien?
  7. Optimieren der Bilder notwendig?
  8. Wie gebe ich die Bilder aus? Abzug oder Webseite?

Von der Kamera auf den Rechner

Den digitalen Verarbeitungsprozess meiner Fotos findet auf einem Apple Mac statt. Die Verwaltung und Nachbearbeitung der Fotos findet in Aperture beziehungsweise Lightroom statt.

Bis 2009 (dann begann ich mit dem Geotaggen) ist alles über Aperture gelaufen: Umbenennen der Originaldateien im Batch, importieren (mit Schlagwortvergabe, und IPTC Daten), aussortieren und bewerten, nachbearbeiten und ausgeben (Abzug, Fotobuch, Webseite). Dabei habe ich die RAW-Dateien in Aperture 2 importiert, da Aperture (wie Lightroom auch) nicht-destruktiv arbeitet, d.h. jede Bearbeitung in Aperture wird nicht in der Originaldatei gespeichert, sondern nur in der internen Datenbank von Aperture. Dies hat den Vorteil, dass man jede Änderung jederzeit wieder rückgängig machen kann, ohne Qualitätverluste beim Original hinnehmen zu müssen. Erst beim „Export“ (z.B. Abzug bestellen, Mailen, Webseite) werden die Änderungen und Metadaten in das exportierte Bild hinzugefügt und als neues Bild gespeichert. Klasse ist vor allem, dass beim Import der Fotos (direkt von der Kamera) im Batchmodus verschiedene IPTC Daten (z.B. Copyright, Schlagwörter, Titel, Beschreibung, etc.) auf alle zu importierenden Bildern angewendet werden kann.

Digital Workflow Programme verarbeiten digitale Bilder nicht-destruktiv

Geo-Tagging

Nun habe ich also vor einem Jahr begonnen meine Fotos zu geotaggen. Dies bedeutet, die GPS-Daten (Längen- und Breitengrad, sowie die Höhe über dem Meeresspiegel) in den EXIF-Daten der Fotos abzuspeichern. Warum das Ganze? Man kann später immer nachvollziehen, wo ein Foto aufgenommen wurde; Anbieter wie Flickr oder Picasa können die Fotos auf entsprechenden Landkarten darstellen. Da die wenigsten Kameras bis jetzt ein eingebautes GPS-Modul besitzen, kann man sich einen kleinen GPS-Logger zulegen, der beständig die verschiedenen Punkte, an denen man sich befindet, speichert (mehr Informationen zu Geotagging findet man z.B. bei http://www.geotagging-mac.de).

Fotoblende

Fotoblende


Nun fingen meine ersten Probleme an: Aperture 2 kann keine GPS-Daten den Bildern zuordnen. Es gibt zwar Plugins für Aperture 2, die beschränken sich jedoch zumeist darauf, via Google Earth (oder Google Maps) einzelnen Bildern die GPS-Daten hinzuzuspeichern. Dies führt jedoch zu Problemen, da diese Plugins meistens die Daten direkt in die Dateien speichern und somit die Daten, die man bis dahin über Aperture 2 eingegeben hat (und diese sind ja nicht in der Datei, sondern nur in der Aperture 2 Datenbank hinterlegt) wieder überschreibt bzw. entleert.

Ein Plugin hingegen, dass von einem Geo-Logger direkt in Aperture 2 die Trax auslesen und in den Bildern speichern kann, ist mir noch nicht bekannt. Hier habe ich jetzt auch meinen ürsprünglichen Workflow geändert:

Mein Workflow

  1. Ich importiere die Fotos von der Kamera mit der mitgelieferten EOS-Utility Software auf mein MacBook.
  2. Nun benötigt man einen guten und schnellen Bildbetrachter, um hier schon die Fotos aussortieren zu können. Hilfreich ist dabei, wenn das Programm das Markieren von Fotos unterstützt. Ich verwende hierfür Picasa 3 von Google (für Mac bis jetzt nur in Englisch) ist eine Möglichkeit. Ich verwende Bridge CS3. Bridge bietet eine schnelle Vorschau und vor allem die Möglichkeit, ITPC-Daten, Schlagwörter und Bewertungen bereits zu speichern. Ebenso erlaubt es das farbliche Markieren der RAW-Dateien, diese schnell aussortieren zu können.
  3. Nachdem die unscharfen oder doppelten Bilder aussortiert sind, werden die GPS-Daten aus dem GPS-Logger ergänzt. Hierfür verwende ich GPSPhotoLinker. Die GPS-Daten aus den Trax werden in den RAW-Dateien selbst gespeichert. Diese können dann auch nochmals in Bridge CS3 kontrolliert werden.
  4. Ein Bruch im Workflow entsteht, wenn ich keine geloggten GPS-Daten habe und diese per Google Earth oder vergleichbarem direkt in den Fotos speichern möchte. Auf dem PC habe ich hierfür GeoSetter verwendet. Für den Mac bin ich noch am Suchen. Momentan arbeite ich dann mit GPS2Aperture nachdem die Bilder in Aperture 2 importiert sind.
  5. Nun werden die RAW-Dateien mit Hilfe des Adobe DNG Converter in DNG-Dateien gewandelt. die Original RAW-Dateien werden auf zwei externen Festplatten zur Sicherheit gespeichert und dienen als Backuplösung.
  6. Sind die Original RAW Dateien mit den GPS-Daten versorgtSind die DNG-Dateien erstellt, importiere ich die Fotos in Aperture 2. Dabei vergebe ich beim Import gegebenenfalls weitere Schlagwörter, Titel, Kategorien und weitere Informationen nach dem IPTC-Standard. Ebenso werden sie einem „Projekt“ zugeordnet. Die Projekte entsprechen entweder Themen (z.B. Tomaten, Blüten oder Technik) oder den Reiseorten (z.B. Alaska 2006, USA 2002 oder Rothenburg 2001)
  7. Danach werden alle Fotos falls nötig erneut bewertet. Alle Fotos erhalten eine Bewertung zwischen einem und fünf Sternen (zur Bedeutung der Bewertung siehe Fotografien bewerten). Gegebenenfalls sortiere ich hier nochmals Fotos aus (und lösche sie!).
  8. Anschließend werden die Fotos „entwickelt“. Das heißt Weißabgleich, Leuchtkraft, Schwarzpunkt, Wiederherstellen und weitere Anpassungen werden vorgenommen.
  9. Daraufhin werden Bilder von Feiern oder Bilder, die ich Verwandten, Freunden oder Bekannten zugänglich machen möchte, mit dem Plugin Aperture to Picasa Web Albums von Übermind auf mein Picasawebalbum direkt aus Aerture 2 hochgeladen oder auf meiner MobileMe-Gallerie veröffentlicht.
  10. Fotos, von denen ich glaube, dass sie besonders gut gelungen sind, oder die ich als „künstlerisch wertvoll“ einstufe, lade ich auf meine Webseite Foto-Knoten. Dazu exportiere ich die Bilder in einer Auflösung von maximal 640 Pixel in einen Ordner auf meiner Festplatte und lade diese dann auf meine Webseite.
  11. Um Abzüge von Fotos zu bestellen, exportiere ich diese ebenfalls in maximaler Auflösung in einen Ordner auf meine Festplatte und lade diese dann bei Pixum hoch und bestelle die entsprechenden Abzüge.

Solltet ihr einen ähnlichen Workflow haben oder einen ganz anderen, lasst es mich doch bitte wissen.

Marc Koschel

Über Marc Koschel

Fotograf • Musikhörer • Blogger • Denker • Kaffeetrinker
— Marc Koschel lebt bei Mannheim und bloggt seit 2001 über digitale Workflows

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13 Kommentare bisher

1. Kommentar

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Jens
21. April 2009 um 11:00

Hi,

ich verwende sowohl auf dem Mac als auch am PC den Adobe DNG Konverter, bevor ich die Bilder (auch) in Aperture importiere. Klappt ganz gut.

Ansonsten mache ich es ähnlich wie du.

Gruß Jens

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Den Fotobestand organisieren | koschel.IT
3. Februar 2010 um 20:35

[…] kompletten Workflow (von der Kamera bis zum entwickelten Bild) interessiert, kann meinen Artikel Workflow für Fotografie am Mac lesen. Über eure Kommentare freue ich […]

3. Kommentar

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Knut
4. Februar 2010 um 12:57

Hi!

Schöne Beschreibung – wünschte ich könnte auch so viel schreiben wie du 🙂

Ich habe meinen workflow auch mal niedergelegt. Arbeite ja – wie Du weisst – mit Lightroom: Workflow

Gruß

Knut

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Metadaten in Fotos | koschel.IT
8. Februar 2010 um 15:39

[…] Aktuelle Softwareprogramme können die Exif-Daten lesen und anzeigen. Es gibt sogar für den Browser Firefox Erweiterungen, die die Exif-Daten anzeigen können (z.B. FxIF oder Exif Viewer). Ändern oder Ergänzen von Exif-Daten bieten die meisten Softwareprogramme nicht an. Ebenso muss man Acht geben, wenn man das Foto in einem anderen Format abspeichert, welches keine Exif-Informationen unterstützt, da diese dann verloren gehen, selbst wenn man es hinterher zurück wandelt. Daher ist es wichtig immer eine Kopie der Originaldatei aus der Kamera als Sicherheitskopie zu behalten (vgl. Workflow für Fotografie am Mac). […]

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IPTC-Daten | koschel.IT
15. Februar 2010 um 16:35

[…] Workflow für Fotografie am Mac […]

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Aperture 3 vs. Lightroom 3 Vergleiche im Internet | koschel.IT
16. Februar 2010 um 07:39

[…] ich mit GPS Tagging und fand Aperture dabei überhaupt nicht hilfreich. Ich fand zwar einen Workflow, fand diesen dann aber zu umständlich, so dass ich mir im letzten Dezember die Testversion von […]

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Aperture vs. Lightroom: Top 10 Features Aperture 3 | koschel.IT
5. April 2010 um 07:21

[…] vgl. Workflow für Fotografie am Mac […]

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Verschlagwortung von Fotos | koschel.IT
17. Mai 2010 um 12:03

[…] Workflow für Fotografie am Mac (aktualisiert) […]

9. Kommentar

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Martin F.
3. April 2011 um 14:37

Mein Workflow hat sich in der Zeit (2011 Aperture Vers. 3.1.2) deutlich vereinfacht:
Ich importiere die RAW-Dateien in ein Verzeichnis auf dem MBP-Schreibtisch. Ich mache keine JPG’s. Dieses Verzeichnis wird mit GPS4Cam in ein zweites, das „Tagged“ nenne konvertiert. Meine GPS Daten kommen vom gleichnamigen iPhone-App.
In Aperture öffne ich den Importdialog. Dort werde die Metadaten aktualisiert, evtl eine Voreinstellung appliziert und die (getaggten) RAW Dateien in eine anderes Verzeichnis gesichert („Zielort für Backup“ – externe HD USB WD 1 TB).
In Aperture sortiere ich die Fotos in Ordnern und Projekten. In der „geteilten Ansicht“ sortiere ich die Bilder vor – schlechte fliegen hier gleich raus X oder 0. Ich habe ja alle (getaggten und mit Metadaten versehenen Raw-Fotos in meiner Backup auf der externen HD!)
Bei der Sichtung vergebe ich Sternchen, 3 Sternchen heißt bearbeiten.
Bearbeitet werden Fotos mit Voreinstellungen die ich selbst erstellt habe, die dann ggf. noch modifiziert werden.
Ich erstelle dann Web-Seiten auch außerhalb Aperture mit iWeb etc., Diashows, MobileMe-Galerien und Ausdrucke.
Mein ganzer Workflow von der Kamera bis zum Ausdruck wird im Farbraum Adobe RGB (1998) durchgeführt.
Zum Schluss lösche ich das Import- und tagged-verzeichnis auf dem Schreibtisch, auch die X oder 0 klassierten Fotos in Aperture. Als Abschluss erfolgt dann noch die Sicherungskopie von Aperture, wenn ich wieder an meinem heimatlichen Netzwerk mit Mac-Server angeschlossen bin.

Euch auch viel Spaß beim fotografieren und entwickeln.
Salut aus dem Elsaß
Martin

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Aperture vs. Lightroom: Version 3 – Vergleiche im Internet » Digital Workflows
29. Februar 2012 um 15:22

[…] ich mit GPS Tagging und fand Aperture dabei überhaupt nicht hilfreich. Ich fand zwar einen Workflow, fand diesen dann aber zu umständlich, so dass ich mir im letzten Dezember die Testversion von […]

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Verschlagwortung von Fotos » Digital Workflows
1. März 2012 um 11:19

[…] Workflow für Fotografie am Mac (aktualisiert) (zurück zum Text) […]

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Den Fotobestand organisieren » Digital Workflows
21. März 2012 um 12:28

[…] kompletten Workflow (von der Kamera bis zum entwickelten Bild) interessiert, kann meinen Artikel Workflow für Fotografie am Mac lesen. Über eure Kommentare freue ich […]

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Foto Workflow Lightroom 3 » Digital Workflows
16. September 2012 um 12:57

[…] Workflow zu früher angepasst. Den früheren Workflow mit Apple Aperture können Sie im Artikel Workflow für Fotografie am Mac nachlesen. In diesem Artikel hier beschreibe ich meinen aktuellen Foto Workflow Lightroom […]