Die Zeiten ändern sich schnell

Dieser Artikel ist älter als 7 Jahre — im Internet eine sehr lange Zeit. Eventuell ist der Inhalt beziehungsweise sind die getroffenen Aussagen nicht mehr aktuell.

Datenschutz und Soziale Netzwerke

Nun haben wir es nochmals offiziell gesagt bekommen: Letze Woche ging es durch alle Medien — Tageszeitungen, Tagesschau, heute Journal und auf den Newsseiten im Internet — die sozialen Netzwerke haben erhebliche Mängel im Datenschutz. Besonders jene, die ihren Sitz in den USA haben, schnitten besonders schlecht ab: Facebook, Google, MySpace, etc.. Aber auch die anderen Netzwerke, wie WKW, *VZ und weitere wurden negativ bewertet.

Der gläserne Mensch

Dennoch konnte nicht festgestellt werden, dass die Netzwerke Mitgliederverluste hinnehmen mussten. Selbst als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass bei schülerVZ massenhaft Daten geklaut wurden, kümmerte es die Nutzer wenig. Warum eigentlich nicht? Warum gehen wir auf die Straße und demonstrieren gegen eine Volkszählung (wahrscheinlich noch vermummt) und veröffentlichen eine Stunde später die aktuellen Bildern der Demo bei Facebook, bei dem wir mehr Daten und Informationen preisgeben als jede Volkszählung je erfragen wird.

Social Networks

Social Networks

Trotz allem habe ich keins meiner sozialen Netzwerke verlassen. Vielmehr konzentriere ich mich darauf bewusster mit meinen Daten umzugehen und eben nicht alles publik zu machen. Allerdings ist hier genau der Knackpunkt: Die sozialen Netzwerke leben vom Geben und Nehmen. Wie bei vielen anderen Dingen auch, ist es notwendig das richtige Maß zu finden.

Das richtige Maß

Doch um dieses Maß zu finden, muss man natürlich auch die Gegebenheiten der einzelnen Netzwerke kennen. Eben um einschätzen zu können, welche Daten und Informationen ich preisgeben kann, muss ich auch wissen, wie sicher diese Informationen bei den einzelnen Netzwerken sind. Auch hier gilt die goldene Regel: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Vor allem darf man nicht die Vernetzung mit den anderen Netzwerken vergessen. In der c’t 07/2010 wurde ein Beispiel gegeben: Ich twittere, dass ich für vier Wochen mit meiner Familie ins Ausland fliege. Dies erscheint als Statusmeldung auf meinem Facebook-Profil, in dem ich fleißig Fotos meines Hauses, meines Autos und zufälliger anderen Wertgegenstände unbedarft veröffentlicht habe. Die „Panzerknacker-AG“ weiß es zu danken, wenn sie mein Profil mit der genauen Adressangabe findet.

Welche Daten soll oder kann man nun in den sozialen Netzwerken veröffentlichen?

Es gibt kein Patentrezept. Gehen wir jedoch zunächst einmal davon aus, dass wir zumindest keine Aussagen per Pinnwandeintrag, Shout, Statusmeldung oder Twitter veröffentlichen, die in irgendeiner Form abschätzig, vulgär, negativ oder unverschämt gegenüber des eigenen Arbeitgebers, der Kollegen oder gar des Chefs sind. Ebensowenig veröffentlichen wir Fotos, die uns in irgendeiner Form in verfänglichen Situationen zeigen. Also veröffentlichen wir keine Fotos vom letzten Saufgelage, oder von Körperteilen, die die Allgemeinheit besser nicht sehen sollten, oder die uns in Aktion mit Mitmenschen zeigen, die ebenfalls keinen etwas angehen. Wenn wir zunächst einmal dies berherzigen, habe wir schon eine gute Ausgangslage geschaffen.

Nehmen wir weiter an, dass wir unsere „Freunde“, mit denen wir uns vernetzt habe, auch wirklich kennen. Wir bestätigen also nicht jede Freundschaftsanfrage, die an uns gerichtet wird, in der ein Bild der wahrscheinlich schönsten Frau (oder des attraktivsten Mannes), die sich je für uns interessiert hat, beiliegt und die uns in der Freundschaftsanfrage freizügig von ihrer offenen Einstellung erzählt. Natürlich möchte man auch neue Menschen kennen lernen, aber meist lässt es sich durchaus erkennen, ob es sich um reale Personen handelt, die sich für mich oder meine Themen interessieren. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt aber natürlich bestehen.

Nach unseren vorherigen Annahmen können wir uns als einen verantwortungsbewußten Menschen beschreiben, der soziale Netzwerke nutzen möchte, um Kontakte zu pflegen, die Teil seines vergangenen oder aktuellen Lebens sind, oder die gleiche Interessen teilen. Die Informationen und Bilder, die wir veröffentlich sind in keiner Weise verfänglich und lassen auch keine Rückschlüsse auf mich oder mein Umfeld zu. Dies ist in besonderem Maße bei Kindern wichtig.

Was kann ich nun denn überhaupt veröffentlichen oder was sollte man auf keinen Fall veröffentlichen? Wie gesagt, es kommt darauf an. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, was er anderen preisgeben möchte. Wenn Sie etwas auf sozialen Netzwerken veröffentlichen wollen, fragen sie sich immer, ob Sie es einem beliebigen Menschen persönlich sagen würden, der gerade eben zufällig bei Ihnen an der tür geklingelt hat?

Zusammenfassung und Ausblick

Es ist wichtig sich mit dem bewussten Umgang seiner Daten und des Datenschutzes der einzelnen Netzwerke zu befassen. Im Zweifelsfall lieber weniger angeben als zu viel. Natürlich möchte man an den sozialen Netzwerken teilhaben, da sie wichtige und interessante Funktionen in unserer heutigen vernetzten Gesellschaft darstellen. Das richtige Maß aus Geben und Nehmen von Daten ist die Aufgabe eines jeden einzelnen. Sich darauf zu verlassen, dass die Anbieter schon verantwortungsbewusst mit den Daten umgehen, ist naiv- ja sogar grob fahrlässig.

In folgenden Artikeln möchte ich mir gern einzelne Netzwerke anschauen und die Datenschutzgegebenheiten diskutieren. Auf eure Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen.

Marc Koschel

Über Marc Koschel

Fotograf • Musikhörer • Blogger • Denker • Kaffeetrinker
— Marc Koschel lebt bei Mannheim und bloggt seit 2001 über digitale Workflows

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