Die Zeiten ändern sich schnell

Dieser Artikel ist älter als 4 Jahre — im Internet eine sehr lange Zeit. Eventuell ist der Inhalt beziehungsweise sind die getroffenen Aussagen nicht mehr aktuell.

Google Reader abgekündigt!

Zum 1. Juli 2013 hat Google seinen RSS Dienst Google Reader abgekündigt. Gründe seitens Google gebe es genügend, seitens der Anwender ein Mehrfaches, warum man den Google Reader erhalten sollte. Der Google Reader abgekündigt, ist für viele Blogger und Nachrichten Junkies ein Schock, denn wenn auch aus Sicht Googles RSS eine nicht mehr zeitgemäße Technik ist und diese den Streams der sozialen Netzwerken wie Twitterlisten und ähnlichem weicht, haben eben Journalisten, Blogger und News-Junkies ihre Workflows mit dem zentralen RSS Dienst von Google umgesetzt. Alternativen zeichnen sich ab, bisher aber eher als RSS Aggregator, denn als Dienst, der in anderen Programmen integriert werden kann.

Google Reader abgekündigt — Die Gründe

Google ist bekannt hervorragende Dienste in unterschiedlichen Bereichen größenteils kostenlos seinen Anwendern zur Verfügung zu stellen, so auch den Google Reader. Die Dienste und Programme sind meist auf hohem Niveau und erfreuen sich großer Beliebtheit. Aus Sicht eines Konzerns ist es jedoch durchaus sinnvoll sein Angebot zu konsolidieren – und genau das macht Google nun. Google reorganisiert seine Dienste, passt sie alle in ein gemeinsames Corporate Design und kündigt Dienste, die aus Sicht des kalifornischen Konzerns durch andere Dienste ersetzt werden können, ab.

In Bezug auf den Google Reader, gab Google folgende Gründe an: RSS Feeds spielten heute nicht mehr die Rolle als Nachrichtenzentrale, die sie noch vor einigen Jahren inne hatten. Die Timeline und Streams der sozialen Netze wie Facebook oder Google+ beziehungswiese die Listen von Twitter sind als Push-Dienste für Nachrichten effektiver als der Pull-Dienst RSS.

Allthingsd.com gibt im Artikel Another Reason Google Reader Died: Increased Concern About Privacy and Compliance einen weiteren wichtigen jedoch offiziel von Google nicht bestätigten Grund an: Google wolle sich keine weiteren Fehler mehr in Sachen Datenschutz und Privatsphäre leisten. In den Aufwand und die damit verbundenen Kosten für Rechtsanwälte und die Aufstockung des Teams wolle man aber nicht investieren, da der Google Reader keinen Profit abwerfe.

Was ist eigentlich der Google Reader?

RSS — Rich Site Summary oder Really Simple Syndication

RSS wurde im Jahr 2000 begonnen und beschreibt Formate, wie Änderungen auf Webseiten in Form von Blogs, Nachrichten Seiten oder auch Audio-/Video Inhalte in einem standardisierten Format (XML) strukturiert veröffentlicht werden können. Um den Leser oder Besucher einer Webseite über – allgemein gesprochen – Neuigkeiten auf dem Laufenden zu halten, bietet der Webseiten-Betreiber sogenannte RSS-Channels an, die ähnlich einem Newsticker (Schlagzeile und kurzer Textanriss) mit entsprechendem Link zum Originalartikel die Information zur Verfügung stellt. Der Leser muss also nicht immer wieder auf die Webseite zurückkehren, um feststellen zu können, ob es Neuigkeiten gibt, sondern er kann an zentraler Stelle alle Neuigkeiten aller für ihn interessanten Webseiten im Überblick behalten.(Fussnote 1)

Die Rolle des Google Reader

Um seine auf verschiedenen Webseiten abonnierten RSS-Feeds verwalten zu können, bieten sich unterschiedliche Softwareprogramme an. Zunächst sammelte der Browser Firefox RSS-Feeds unter der Bezeichnung dynamische Lesezeichen. Dann stellten mehr und mehr Emailprogramme eine Funktion für RSS-Feeds zur verfügung, weil der Gedanke den Abonnenten zu informieren, dem des Emailversands ähnelte. Schließlich kamen spezialiserte Softwareprogramme auf den Markt, die meist in einer Dreiteilung der Oberfläche einen organisierten und kategorisierten Überblick aller abonnierten Channels, eine Liste der einzelnen Feeds pro selektierten Channel und letzendlich den Inhalt eines einzelnen gewählten Feeds anzeigt. Mit steigender Mobilität der Abonnenten, reichten die Desktopanwendungen nicht mehr aus. Hier sprang 2005 Google in die Presche und veröffentlichte den Google Reader als Webanwendung. Der Google Reader sammelte wie herkömmliche Desktop Reader alle abonnierten Channels in einer Webapplikation, bot Funktionen zum Organisieren und kategorisieren, aber auch schon zum Bewerten oder gar Teilen mit Freunden (per E-Mail). Und das alles erreichbar über einen herkömmlichen Browser und somit von überall her.

Schnell entwickelte sich der Google Reader zu einer Zentrale für RSS-Channel im Internet. Viele der gängigen Desktop Reader oder auch der dann aufkommenden Apps für Smartphones (iOS, Android, etc.) bietet die Integration des Google Reader Accounts. Die Desktopprogramme oder Apps regeln dann meist nur noch die Darstellung der Feeds, die beim Google Reader nicht gerade als schön zu bezeichenen sind. Aus meiner Sicht liegen die Stärken des Google Reader weniger in der Darstellung und Anzeige der Channels als vielmehr in seinem Vorhandensein als Dienst und der zentralen Verwaltung für andere Programme. In meinem Artikel Was kann ich wo teilen und posten? habe ich meinen Workflow beschrieben, wie ich über meine RSS-Feeds, den Google Reader und Mr. Reader „meine“ Nachrichten auf drei Twitteraccounts und Facebook und zwei Facebook Pages verteile. Kein leichtes Unterfangen, ich habe aber (oder auch „hatte“) einen funktionierenden Workflow. Google Reader spielt dabei eine zentrale Rolle, denn zum einen nutze ich Google Reader als News-Aggregator, zum anderen bezieht meine App Mr. Reader, über die ich meine News teile, die Channels über das Google Reader Konto. Letzendlich verwende ich ifttt, wobei ich das Taggen im Google Reader nutze, um automatisiert einzelne News auf definierten Twitter bzw. Facebook (Pages) teile. Diese Integration des Dienstes Google Reader in vielen Bereichen des Internets und bei unzähligen Programmen ist für mich viel wichtiger als seine Funktion als reine Lesemöglichkeit.

Oliver Fürniß Entwickler von Mr. Reader, des von mir verwendeten Google Reader Client schreibt in seinem Blog im Artikel Google Reader shutdown: My thoughts and future options, was hinter dem Google Reader steckt und warum er so beliebt ist.

Google Reader does nothing?

In the past few days I’ve received some mails from people thinking that Google Reader is just a simple storage of an OPML file (your subscriptions). It is not:

  • Yes, it stores all of your folders and feeds
  • It fetches articles from all of your subscriptions and stores them in a big, big database (for millions of users)
  • It keeps those downloaded articles “forever”. This is also necessary to provide a Google worthily search
  • It records and maintains the unread/read and starred status of every single article in your Reader account. The same when you tag articles
  • It provides an API so that you can use it not only from its web page
  • For API users like me, it handles the different Atom and RSS versions, so that I only need to support a single format
  • It allows me to get articles from a specific date without looking for new articles feed by feed

[…]

What makes Google Reader so popular?

  • Everyone with a Google account is able to use it immediately
  • It can be used for free and it has a monopoly without real competition
  • It has a clean and easy to use web page
  • It is fast and reliable. Ok, there were some outages over the last years but what service runs 24*7?
  • There are a lot of Google Reader clients available on all platforms and this without an officially documented API
  • There are web automation services like IFTTT to further process for example your starred and tagged articles

For many people RSS is a synonym for Google Reader. 😉
Mr. Reader Blog

Google Reader Ersatz — Welche Alternativen zeichnen sich ab?

Sucht man bei Google nach Alternativen für Google Reader, findet man zahlreiche Artikel mit unterschiedlichen Möglichkeiten. Leider handelt es sich jedoch um reine Feed-Aggregatoren. Dies heißt eine weitere Einbindung in anderen Apps ist nicht vorgesehen oder anders ausgedrückt: es gibt keine API.

Drei Alternativen heben sich jedoch aus der Masse der Artikel schon hervor. Dabei sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bisher nur um Ankündigungen handelt und sich keine bis jetzt wirklich als Google Reader Ersatz nutzen lässt. Die Entwickler geben aber eifrigst viel versprechende Ankündigen auf ihren Webseiten bekannt.

Feedly

Feedly - Ersatz für den Google Reader?

Feedly – Ersatz für den Google Reader?

Laut Internetmedien und eigener Aussage profitiert bisher Feedly am meisten von der Ankündigung Googles. Im eigens eingerichteten Blog erläutern die Macher ihre Vorgehensweise. Für weitere Vorschläge um das bereits vorhandene Angebot noch besser zu machen und so den Umstieg vom Google Reader zu erleichtern, kann man auf einer extra eingerichteten Seite Vorschläge unterbreiten. Um meinen eigenen Workflow abbilden zu können, ist es unabdingbar, dass Feedly als Channel für ifttt zur Verfügung steht. Momentan scheint es das viel versprechendste Angebot zu sein. Nebenbei ist die Darstellung in Feedly hervorragend. Feedly ist als Erweiterung für Firefox, Chrome und Safari zu haben sowie als App für iOS und Android. Bisher mein Favorit.

Digg

Digg.com war ursprünglich eine Webseite für social bookmarking, bei dem Verweise auf Neuigkeiten (Blog-Einträge, Pressemitteilungen oder Nachrichten) von Benutzern mit Titel, Beschreibung und Kategorie eingestellt und von anderen Benutzern mit Hilfe des Verweises „digg it!“ als positiv bewertet werden. Ein Verweis kann auch als Spam oder in anderer Hinsicht als problematisch bewertet werden, er wird dann „begraben“ (bury). Eine Interaktion über ein eigenes Blog ist ebenfalls möglich.(Fussnote 2)

Nun hat digg.com in ihrem Firmenblog angekündigt einen eigenen Reader zu entwickeln. Dabei sollen alle Funktionen inklusive der API des Google Reader übernommen werden.

We hope to identify and rebuild the best of Google Reader’s features (including its API), but also advance them to fit the Internet of 2013, where networks and communities like Facebook, Twitter, Tumblr, Reddit and Hacker News offer powerful but often overwhelming signals as to what’s interesting. Don’t get us wrong: we don’t expect this to be a trivial undertaking. But we’re confident we can cook up a worthy successor.digg.com: We’re Building A Reader

Auch diese Ankündigen verheißen viel Gutes, jedoch muss man abwarten, ob die angekündigten Ziele auch erreicht werden können. Auch diese Entwicklung werde ich verfolgen und und hier im Blog aktualisieren.

App Entwickler

Die dritte Alternative ist kein Einzelanbieter. Ich möchte mich hier der Auffassung von Oliver Fürniß anschließen. Im Abschnitt What are my possibilities? erläutert er, welche Möglichkeiten sich für ihn als vom Google Reader abhängigen Entwickler einer Software, die als Lesemöglichkeit der von Google Reader zur Verfügung gestellten Inhalte ergibt. Dabei plädiert er, dass sich die anderen Hersteller der gleichen Art von Softwareprogrammen zusammenschließen und an Stelle einzelner proprietären Lösungen einen gemeinsamen Standard auf Basis einer allgemeinen API definieren, die mit der des Google Reader kompatibel ist.

Google Reader has a monopoly in the area of RSS feed aggregators and has virtually created a standard API. Yes, Google did not publish the API or make it an official standard, but hundreds of clients and services use it.

In my opinion all of those Google Reader alternatives should support this API, instead of going the easy way and creating their own. This would be a big win for millions of Google Reader users. Those services will have native clients within a short time-frame across many different platforms and devices. It’s not a big deal for the client developers to adjust the API endpoint. I’ve already changed my code (not uploaded yet) so that the API endpoint can be edited like suggested by Marco (Instapaper developer). Yes, I already hear your feedback that some alternatives provide many additional and awesome features. But do we really need features like ‘folders in folders in folders’ like those implemented in, for example, Tiny Tiny RSS?

Are you the creator of an RSS feed aggregator? There is no reason to fear competition if you support the Google Reader API. People will choose your service because of you, your extras, your modern web page, your great community, your awesome support, your reliable and fast servers.

In short there must be a standard protocol and this should be the Google Reader API. I and for sure all the other Google Reader client developers don’t want to implement hundreds of different APIs to support all RSS feed aggregators available now and in future. Creating a new standard protocol (API) that could be used by all services and clients would be desirable. But who should do that?Mr. Reader Blog

Was gilt es jetzt zu tun?

Fast bin ich gewillt zu sagen, gebannt und bangend auf den 1. Juli 2013 zu blicken. Auch wenn es einige viel versprechende Ankündigungen gibt, so scheint die Zeit bis dahin doch recht knapp zu sein. Und für Kenner und Insider der IT Branche ist klar, dass auch wenn zum 1. Juli einige Anbieter etwas fertig haben werden, so ist dies zumeist in den ersten Versionen oder Jahren fehleranfällig und wird nicht dem lang erprobten und stabilen Google Reader das Wasser reichen können. Es gilt jedoch wirklich abzuwarten und zu hoffen, dass nicht alle Workflows, die man sich mit dem Google Reader zurecht gelegt hat und damit hoch zufrieden war, nun flöten gehen.

Ich werde in diesem Blog die oben angesprochenen Entwicklungen und Fortschritte verfolgen und darüber berichten. Weitere Lösungen können gerne über die Kommentare hier abgegeben werden

Fußnoten

  1. Seite „RSS“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. März 2013, 11:36 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=RSS&oldid=115816388 (Abgerufen: 27. März 2013, 09:45 UTC)
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  2. Seite „Digg“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. März 2013, 17:12 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Digg&oldid=115548635 (Abgerufen: 3. April 2013, 08:14 UTC)
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Marc Koschel

Über Marc Koschel

Fotograf • Musikhörer • Blogger • Denker • Kaffeetrinker
— Marc Koschel lebt bei Mannheim und bloggt seit 2001 über digitale Workflows

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