Die Zeiten ändern sich schnell

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Nekrolog: Google Reader ist tot

Nun ist er von uns gegangen – der Google-Reader. Heute gegen Mittag am 2. Juli 2013 Mitteleuropäischer Zeit wurde er zu Grabe getragen. Der Google Reader ist tot.

Viele von uns begleitete er seit Jahren und half uns die Informationsflut zu bewältigen. In ihm konnten wir unsere zahlreichen Nachrichten Kanäle (RSS- Feeds) verwalten, ordnen, lesen, hervorheben und weitergeben. Für die meisten war er viel mehr als sein Name hergab: Er war eben nicht nicht nur eine Stelle, an der man die Artikel seiner unterschiedlichen Kanäle lesen konnte – und seien wir ehrlich, seine Oberfläche zum Lesen ließ manchen Wunsch offen – sondern, er war viel mehr eine Plattform gar ein ganzes Ökosystem. Auch wenn seine API nie als Standard festgeschrieben wurde, so war sie faktisch einer. Eine Unzahl von Programmen und Apps nahmen denn auch seine Datenbasis und setzten ihre eigenen Masken zum Lesen darüber – in schön eben. Alle Funktionen, die er selbst hatte, stellte er auch in der API zur Verfügung, egal ob tagging (Verschlagwortung), starring (Hervorhebung) oder andere Funktionalitäten. Er war ganz klar der Platzhirsch, der Liebling der Massen.

R.I.P.

R.I.P.

Viele versuchen nun bereits in seine Fußstapfen zu treten, manch einer stellt sich geschickt an, doch keiner kann ihm bis heute das Wasser reichen, und dass obwohl sein Ableben seit geraumer Zeit bekannt ist. Alle selbstbetitelten Nachfolger strengen sich zwar an, vergessen aber die ein oder andere Funktion eben doch. Nehmen wir zum Beispiel Feedly: Feedly hat viel investiert in der Verbesserung und Neugestaltung hin zu einem würdigen Google Reader Ersatz. Es unterstützt z.B. das Tagging, sogar als Trigger für ifttt, aber nur in der Desktop Browser Version. Ehrlich, wer liest heute noch seine Nachrichten am Desktop? In den Apps für iOS oder Android gibt es kein Tagging. Warum? Für meinen Workflow bis dato unbrauchbar. Sicherlich erwarte ich, dass nach und nach die Anwender den Nachkömmlingen Funktion um Funktion abringen werden und in absehbarer Zeit werden sie ihm, unserem Google Reader, in nichts mehr nachstehen – so zumindest meine untrübbare Hoffnung. Doch bis dahin werde ich ihn vermissen, trauere ihm und den mit ihm durchgedachten, umgesetzten und einfach simplen Workflow meine Nachrichten in unterschiedlichen Diensten zu teilen nach.

Lieber Google Reader, ich vermisse dich schon jetzt!

Google Reader ist tot

Google Reader ist tot

Deine Herren wollten uns einreden, dass du bzw. das, was du verkörperst, die RSS-Feeds nicht mehr zeitgemäß sind. Was für ein Blödsinn! Man solle die Sozialen Netzwerke als Nachrichtenkanäle nutzen. Etwa Facebook? Jenes, das voll ist von dem, was ich nie sehen oder lesen wollte, geschweige denn, dass es mich interessiert, jenes, das nur so strotzt von bescheuerter Werbung, auch noch versteckt in Beiträgen, die aussehen als seien sie von meinen Freunden oder von den Kanälen, denen ich folge. Nein danke!! Vielleicht lieber Twitter, dass sich in den letzten Jahren zugeknöpfter zeigt als es sich Queen Victoria jemals hätte vorstellen können. Festgenagelt und ausschließlich auf der eigenen Plattform nur noch nutzbar, auch hier: Nein Danke!! Selbst das Netz deiner Erfinder, das bestimmt gut, auf jeden Fall anders als Facebook ist, stellt keinen Ersatz für dich da. Nein, RSS-Feeds sind noch lange nicht tot, leider nur du.

Mein Google Reader, heute Mittag wurde Erde auf dein Grab geschüttet. Du weilst nicht mehr unter uns, ich werden dich noch eine ganze Weile vermissen (müssen).

R.I.P. – 2. Juli 2013

Marc Koschel

Über Marc Koschel

Fotograf • Musikhörer • Blogger • Denker • Kaffeetrinker
— Marc Koschel lebt bei Mannheim und bloggt seit 2001 über digitale Workflows

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